Texte über Gerald Resch

Laudatio anlässlich der Verleihung des Oberösterreichischen Landeskulturpreises 2014
(von Gunter Waldek)

Schon ein kurzer Blick in seine Partituren gibt Gewissheit, dass Gerald Resch sein Handwerk souverän beherrscht. Da wird nichts dem Zufall überlassen, der Komponist übernimmt die alleinige Verantwortung über alle Bereiche seiner Musik bis hin zum kleinsten crescendo, zur scheinbar unwichtigsten Phrasierung. Genauigkeit, Leichtigkeit, Anschaulichkeit, Vielschichtigkeit und Schnelligkeit: Fünf Schlagworte, den „Lezioni americane“ des italienischen Schriftstellers Italo Calvino entlehnt, die Gerald Resch nicht nur als Satzbezeichnungen für sein 2006 entstandenes Kammermusikwerk „Fünf Versuche nach Italo Calvino“ verwendet, sondern mehr oder minder auch als Kategorien seiner eigenen musikalischen Poetik betrachtet.
Anschaulichkeit gewinnt seine Musik durch konsequente Konzeption, die aber dennoch nie zum bloßen Konstrukt gerät. Manchmal ist schon der Titel ein Ansatzpunkt zum Verständnis: „Durchlässige Schichten“, „Pfade, die sich verzweigen“, „Nebeneinanderlinien“, „Nebel“, „Schleifen“- so benennt er fünf seiner mittlerweile etwa 50 Werke, die zu einem guten Teil prominent verlegt, aufgeführt und auf CD erschienen sind.
Vielschichtigkeit zeigt sich nicht nur in seinen Partituren, sondern auch in seinem musikalischen Werdegang und Profil: Er studierte Komposition in Wien, Köln und Graz, darüber hinaus aber auch Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Seit 10 Jahren unterrichtet er an der Anton Bruckner Privatuniversität im Bereich Musikgeschichte und –analyse, seit 2008 Tonsatz an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, einige Jahre lang gab er an Wiener Musikschulen auch Kompositionsunterricht. Gerald Resch, in Linz geboren und im Mühlviertel aufgewachsen, lebt seit 1993 in Wien. Etwa 10 Jahre lang war er dort für die Programmierung neuer und neuester Musik in der „Alten Schmiede“ verantwortlich und pflegt somit beste Kontakte zur jüngeren Komponistenszene in Österreich; aber auch in Linz sorgt er sich gemeinsam mit Irene Kepl als Leiter der Initiative „Musik im Raum“ um die Verbreitung zeitgenössischer Musik. Musikjournalistische Arbeiten für Zeitschriften und Fachlexika, Einführungsvorträge und Musikvermittlungsprojekte runden das Bild eines vielseitig interessierten und versierten Musikers ab. In den letzten Jahren hat seine künstlerische Tätigkeit gegenüber wissenschaftlichen Ambitionen eindeutig die Oberhand gewonnen, wie sich dem Werkverzeichnis und der eindrucksvollen Liste seiner Aufführungen leicht entnehmen lässt. Neben Wien, Rom, Prag, London, Paris und New York finden sich aber auch immer wieder Linz, Grieskirchen oder Hellmonsödt: ein Signal, dass ihn Oberösterreich nicht vergessen hat und immer wieder großzügig fördert, sagt er im Gespräch; vice versa aber wohl auch ein Zeichen weiterhin bestehender Beziehung und Verbundenheit zu seinem Heimatbundesland.
Schon 2001 erhielt Gerald Resch die Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich, 2004 das Anton Bruckner Stipendium. Weitere Auszeichnungen waren u.a. der Theodor-Körner-Preis der Republik Österreich, der Förderungspreis der Stadt Wien 2011, der erste Preis beim TONALI-Kompositionswettbewerb Hamburg 2012 sowie mehrere Einladungen als Composer-in-Residence. Für den Landeskulturpreis 2014 reichte Gerald Resch drei Werke aus den letzten Jahren ein: „Cantus Firmus“ für Orchester, ein Auftrag des Festspielhauses St. Pölten, „Sieben Madrigale“ für fünf Stimmen und Akkordeon, die für das Kammermusikfest Lockenhaus entstanden, sowie das Orchesterwerk „Bossa Nova Arabica“, das für das Festival „Wien Modern“ und das RSO Wien geschrieben wurde. Darüber hinaus finden sich in seinem Werkverzeichnis vorwiegend Orchester- und Kammermusikstücke, die Liste der international renommierten Interpreten und Aufführungsstätten zeugt von seiner künstlerischen Präsenz weit über Österreich hinaus, auch die laufenden Aufträge signalisieren großes Interesse an dem erst 39jährigen Komponisten: City of London Festival, Hamburger Symphoniker, Musikverein Wien.
Gerald Resch hat es geschafft, seine eigene künstlerische Persönlichkeit zu entfalten. Als wacher Zeitgenosse reflektiert er aktuelle Ereignisse in seiner Musik; in der Gegenwart verwurzelt und stets offen gegenüber Neuem, bekennt er sich dazu, Beobachtungen aus seiner Lebenswelt als Impulse für sein Komponieren zu sehen. In seiner Musik verwendet er gerne relativ einfaches und wiedererkennbares Material, das er mit logischer Konsequenz, hoher Sensibilität und feinem Klangsinn weiterentwickelt und überlagert (ein anschauliches Beispiel dafür ist das zur Eröffnung des Brucknerfestes 2008 entstandene Orchesterstück „Land“, das Fragmente der Bundeshymne als Ausgangsmaterial verwendet. Anlässlich des Nationalfeiertages wurde das Stück vor wenigen Tagen von den Wiener Symphonikern im Musikverein wieder aufgeführt). Formale Symmetrien und Proportionen sind ihm ebenso wichtig wie plötzliche, unvorhersehbare und überraschende Wendungen. Sein waches Gehör erlaubt ihm, hochkomplexe Strukturen nicht nur zu entwickeln, sondern auch klanglich zu überschauen, sein individueller Gestaltungswille lässt ihn seinen eigenen Weg abseits gängiger Ideologien oder stilistischer Moden verfolgen. So bleibt seine Musik in ihrer mit größter Sorgfalt ausgearbeiteten Faktur und mit ihren in liebevoller Präzision gestalteten Details stets gut hörbar und weitestgehend verständlich, sie ist für die Ausführenden trotz oder vielleicht gerade auch wegen ihrer beinahe akribisch genauen Notation immer schlüssig und nachvollziehbar, sie verwendet eine zeitgemäße, individuell ausgeprägte Tonsprache, die trotz ihrer Aktualität und Aufbruchshaltung auf spürbare Distanz zu avantgardistischer Exaltierheit geht.
Den Bereich Vokalmusik hat Gerald Resch lange Zeit eher umgangen, erst in den letzten Jahren beschäftigte er sich intensiver damit. 2015 wird das Schauspielhaus Wien sein erstes Musiktheaterstück auf die Bühne bringen: Ein Genre, das ihn im Moment sehr reizt und ihn vor die Aufgabe stellt, eine überzeugende und für ihn vertretbare Balance zu finden zwischen den eher plakativen Anforderungen theatraler Bühnenwirksamkeit und selbst auferlegter kompositorischer Strenge.
Dennoch wird dieser geforderte Spagat sein Werk nicht grundsätzlich verändern, sondern allenfalls um eine Dimension erweitern, denn Gerald Resch ist es in seinen bisherigen Kompositionen gelungen, spannende Musik zu schreiben und die von ihm als Leitsatz erwählten Tugenden nach Italo Calvino konsequent umzusetzen: Unter einer farbigen und stets anschaulichen Oberfläche, die sich bereits beim schnellen Hören mit scheinbarer Leichtigkeit erschließt, verbergen sich in großer Genauigkeit entwickelte Modelle und Strukturen, die auch beim detaillierten Partiturstudium durch ihre Stringenz überzeugen. So vermag seine Musik in ihrer Vielschichtigkeit den anspruchsvollen Hörer und ein breiteres Publikum gleichermaßen zu faszinieren.

Essay über Gerald Resch von René Staar 2018
anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Ensemble Wiener Collage

Eine Musik der unmerklichen Übergänge zu schaffen: das ist nicht das einzige Bestreben des 1975 geborenen österreichischen Komponisten Gerald Resch; auch das sanfte Hineingleiten in musikalische Strukturen beschäftigt ihn.
Als »Anwärmen« des Materials bezeichnet er den Prozess der langsamen Herausbildung seiner knappen zwei- bis fünftönigen Strukturen, für die er dann logische Folgen sucht. In oftmals fließenden Formabschnitten verschleiert und verhüllt Resch gerne konkrete Klanggestalten, zuweilen so konsequent, dass nur mehr vage Spuren konkreter Materie erkennbar bleiben.
In den SCHLIEREN für Solovioline und Orchester (2005 komponiert) wird uns diese Ar-beitsweise auf eindrucksvolle und exemplarische Art vor Augen geführt. In diesem Werk fallen zunächst die Satzbezeichnungen auf, die den Charakter und nicht unbedingt das Tempo bezeichnen: I. Fließend II. Pochend III. Spielerisch. Wenn man den 1. Satz näher betrachtet, kann man eine sich aus einem Sekund-Intervall in eine Terz entwickelnde stets weiterfließende längere melodische Linie erkennen, in deren Verlauf auch Umkehrungen und Erweiterungen der Intervalle (z.B. Sekunde zu Septime oder Sekunde zu None) eine prägende Rolle spielen. Resch verwendet hier auch einen Kunstgriff, der dem Satz zusätzlich zur fließenden Gestalt einen vorwärtstreibenden Impuls verleiht: nach der exponierenden Linie wiederholt er diese in variierter, aber auch verknappter Form. Diesem Teil gibt er den Titel „Double“, was formal auf J. S. Bachs Partiten hinweist. Vier solcher Doubles gibt es in diesem Satz, jedes verknappt und beschleunigt das Material. Dadurch ist es dem Komponisten möglich, dem Satz innerhalb der gewählten Prozesshaftigkeit eine rasante Dynamik zu verleihen. Außerdem gibt er damit dem 2. Satz die Möglichkeit, sich deutlich vom vorhergehenden musikalischen Geschehen abheben zu können.
In diesem 2. Satz überträgt Resch die Idee der variierten Wiederholung auf eine 4-taktige Periodik, in der eine quasi polymetrische Rhythmik zum Ausgangspunkt des Geschehens gewählt wird. Auch wenn die Konturen mit Hilfe der hier auftretenden pochenden Rhythmen geschärft werden, bleibt das Bestreben, der Komposition mit Hilfe von Übergängen die gewünschte Richtung zu geben, weiter aufrecht.
Innerhalb 4-taktiger 4/4-Perioden tauchen gleichzeitig 3/4—, 4/4— und 5/4-Strukturen auf. Das Beibehalten der (vor allem für die harmonische Entwicklung des Satzes wichti-gen) viertaktigen Perioden zwingt den Komponisten allerdings dazu, die 5/4-Struktur zu durchbrechen und den letzten Impuls im 4. Takt als Auftakt zur nächsten Periode zu verstehen. Aber nicht nur damit baut er sozusagen ein Korrektiv ein, andere Strukturen wie z.B. kompositorische Verdichtungen (sie drücken sich etwa durch Verkürzungen des 4/4 in 2/4 oder 3/4 aus) und Teile, die er als „Einschlüsse“ bezeichnet, alterieren ebenfalls den Verlauf des Satzes und geben ihm zusätzlichen Auftrieb.
Dabei wird auch das tonale Urmodell des 1. Satzes (eine Sekunde, die in eine Terz mündet) aufgegriffen, wodurch der Komposition trotz seines zum 1. Satz kontrastierenden Charakters eine übergeordnete Idee und Einheit verliehen wird. Umkehrungen dieser Intervalle (Sekunden in Nonen etc.) sowie Verengungen vom Halbton- ins Vierteltonchroma erweitern das Tonspektrum der Komposition analog zum ersten Satz.
Der Tendenz, eine Musik der steten Übergänge in fassliche Strukturen zu bringen, und Formen fasslich zu machen, begegnen wir im Werk von Gerald Resch auf Schritt und Tritt. So auch in seinem bislang letzten Werk, dem 2. Streichquartett KOPIEN aus dem Jahr 2017. Den vier Quartettsätzen gemeinsam ist, dass ihnen jeweils ein Duo vorange-stellt ist, das sozusagen den Boden bereitet, von dem aus sich die Komposition heraus entwickeln kann.
Als Beispiel mag der erste Satz dienen: Im einleitenden Duo wird zunächst eine aus zwei unterschiedlichen Tonschritten bestehende Zelle präsentiert: eine kleine und eine große Sekunde, die um den Zentralton d kreisen. Dieses Tonspektrum (sowohl der Zentralton wie auch seine Umspielungen) bewegt sich in Sechzehnteln nach oben: der Zentralton wandert über es nach e, das im 9. Takt erreicht wird. Gleichzeitig führt der Komponist auch eine sukzessive Vergrößerung der Intervalle durch und entwickelt ein charakteristisches Motiv, das schließlich auftaktig in den zweiten Teil dieses Satzes hineinführt.
Dieser zweite Teil beginnt mit einer kontrapunktischen Verflechtung verschiedener Motive: zunächst mit einem durch Richtungsumkehr gewonnenen Motiv, das aus den absteigenden Intervallen Quart-Tritonus-Quint besteht, und einem aus aufsteigender große Sekunde und großer Septime bestehenden Motiv. Die absteigenden Intervalle werden in der 2. Violine in Achteln vergrößert imitiert, die letzten drei Noten in der 2. Violine wiederholt, wodurch sich eine rhythmische Variation des Motivs ergibt. Gleichzeitig entwickelt sich in der Bratsche eine andere Motivvariation, die zunächst aus rhythmisch auskomponierten repetierten Noten besteht, in dessen weiterem Verlauf die Bedeutung des Tritonus und der großen Sept mittels mehrerer Wiederholungen gestärkt wird. Während in den beiden Geigen das Motiv mit den Tönen gis-d-cis (Tritonus-große Sept) endet, endet das Motiv in der Bratsche in dessen Umkehrung gis-d-a (Tritonus-Quart), wobei aber durch die Wiederholung des Intervalls gis-a als Doppelgriff absteigend zum d eine Verschränkung entsteht. Dadurch stehen sich d-gis-cis (aufsteigend) und gis-d-a gegenüber und man erkennt, dass es sich hier wieder um eine Umspielung des Zentraltons d (ganz wie im vorherigen Duo) handelt.
Man braucht nicht weiter zu gehen, um festzustellen, dass auch in diesem Werk tiefge-hende Beziehungen zwischen Intervallstrukturen wichtig werden, die gleichsam in morphologischen Synthesen Vorhergehendes aufgreifen, variieren und in neuer Gestalt wiederkehren.
In seinem 2006 komponierten Klaviertrio FÜNF VERSUCHE NACH ITALO CALVINO – ein Werk, das auch vom Ensemble Wiener Collage aufgeführt wurde – nimmt Resch Charaktere oder auch Begrifflichkeiten zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. In seinen Har-vard-Vorlesungen hatte der italienische Schriftsteller Italo Calvino verschiedene Fähig-keiten der Literatur benannt: Genauigkeit, Leichtigkeit, Anschaulichkeit, Vielschichtig-keit und Schnelligkeit. In seinem Trio versucht Gerald Resch nun, diese Begriffe in fünf knappen Sätzen sozusagen musikalisch „abzuarbeiten“.
Im 1. Satz (»Genauigkeit«) geht er dabei fast geometrisch vor. Er zirkelt Flächen und kontrastierende auftaktige Ereignisse präzise ab. Es entsteht ein genau abgestecktes Feld an Möglichkeiten, das auch den ausführenden Musikern äußerste Präzision abver-langt.
Dies gilt auch für den 2. Satz, der zusätzlich durch seinen Hang zum Tänzerischen (der Komponist verlangt leggiero, quasi Rumba) jenes Element erhält, das der Begriff der »Leichtigkeit« umfasst.
Der 3. Satz (»Anschaulichkeit«) bringt längere Tondauern, deren Charakter sich durch Morsezeichen auf demselben Ton manifestiert. Der Komponist spielt dabei auf verschiedenen Ebenen mit einer sich entwickelnden Intervallik, die von der repetierten Note (der Prim) bis hin zur Terz ausgreift. Schließlich erweitert sich die zweistimmige Struktur zu drei- und sogar vierstimmigen Tontrauben, die auf logischem Weg aus den zuvor auftretenden Terzen und Sekunden entwickelt werden. Am Ende stehen sich die dreistimmigen Akkorde e-fis-gis und es-f-g gegenüber, die sich schließlich in drei gleichzeitig erklingenden Tonpaaren vereinigen: kleine Sekunde es-e, kleine None f-fis und kleine Sekunde g-gis.
Im 4. Satz wird »Vielschichtigkeit« durch verschiedenartige musikalische Gestalten er-zeugt (verschiedene Pulsationen zwischen drei Noten, repetierten Noten, gehaltenen Tönen, Läufen usw.), die »Schnelligkeit« im 5. Satz wiederum nicht durch rasche Moto-rik, sondern durch die raschestmögliche Ablösung nach gehaltenen Ereignissen.
Anhand dieser Beispiele kann man ersehen, worum es Gerald Resch bei seiner kompositorischen Arbeit geht: Um das organische Wachsen größtmöglicher Substanz aus sehr einfachen, kleinen Zellen heraus, ganz gleich, ob diese nun melodischer, harmonischer oder rhythmischer Art sind.
Bei dem Versuch, auf so beschränktem Raum dem Gesamtwerk von Gerald Resch näherzukommen, müssen zwei weitere wichtige Aspekte kurz angesprochen werden.
Zum einen ist da seine Neigung zum Musiktheater. Mit der 2015 entstandenen Szene ZEITLOS, ORTLOS hat Resch ein berührendes, archaisch anmutendes Werk geschaffen.
Textgrundlage sind zwei Fassungen des mittelalterlichen Hildebrandsliedes. In beiden ist ein Vater (Hildebrand) gezwungen, gegen seinen eigenen Sohn (Hadubrand), der seinen Vater nicht erkennt, zu kämpfen. Das ältere Hildebrandslied aus dem 9. Jahrhundert erzählt diese Geschichte aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern, dessen Ursprünge wohl in der Völkerwanderungszeit ab dem 5. Jahrhundert zu finden sind. In dieser Fassung tötet der Vater den Sohn. Im jüngeren hochmittelalterlichen Hildebrandslied aus dem 13. Jahrhundert hingegen erkennen sich Vater und Sohn und versöhnen sich. Die Übersetzung aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen hat Gerald Resch gemeinsam mit seinem Vater erarbeitet. Dabei ist ein hochpersönliches Werk über eine Vater-Sohn-Beziehung entstanden, dessen spezielle Faktur es zu einer tiefempfundenen Komposition werden ließ.
Zur besonderen Atmosphäre des Werks trägt zweifellos auch die ungewöhnliche, aske-tisch anmutende Besetzung bei. Sie besteht aus zwei Gesangsstimmen (Tenor und Bari-ton), Horn, Flügelhorn, Zither, Schlagzeug und Kontrabass. Sie eröffnet ein fantastisches Spektrum an Möglichkeiten und ist verantwortlich für die eigenartige Stimmung, die einerseits durch Hornfanfaren (zu der auch zapfenstreichartige Signale gehören) und andererseits durch die Klangverwandtschaft der Zither mit der mittelalterlichen Laute erzeugt wird, während Schlagzeug und Kontrabass zugleich eine leicht surreale Note beisteuern. Der überraschende Schluss einer gleichsam aus dem Werk aufsteigenden Passage des geistlichen Liedes „Mitten wir im Leben sind“ des in Böhmen tätigen deut-schen Komponisten Balthasar Resinarius (1485–1544) macht aus dem Werk endgültig ein von Zeit und Raum entrücktes Gebilde.
Der zweite Aspekt betrifft die Fähigkeit von Gerald Resch, für Kinder zu komponieren. Zu erwähnen ist hier insbesondere seine Kinderoper GULLIVERS REISE, aber auch seine FINGERSPITZENTÄNZE, 13 „nicht zu schwere Stücke für Klavier“ (es gibt auch eine Fassung für 9 Instrumente).
Für Kinder oder Anfänger zu schreiben ist eine große Herausforderung, insbesondere für einen Komponisten, der sich dem Idiom einer sich stets weiterentwickelnden Mo-derne verpflichtet fühlt, will man doch nicht ins Banale abgleiten und seinen eigenen kompositorisches Intentionen treu bleiben. Es ist beeindruckend, wie Gerald Resch in seinen FINGERSPITZENTÄNZEN diese Aufgabe meistert. Die Schlichtheit der Stücke wird mit einem Drang nach Qualität vereint. Resch greift dabei zu allen möglichen Tricks, so lässt er etwa den jungen Pianisten Texte mitsprechen, um ihn an einen 7/16-Takt zu gewöhnen. Dieses Werk macht nicht nur Kindern und Anfängern Freude, sondern wird auch gerne von fortgeschrittenen Pianisten gespielt werden.

_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Severin Neubauer: Gerald Resch Figuren: Werkanalyse, neue Spieltechniken am Saxophon im 20. und 21. Jahrhundert und Einordnung in den musikgeschichtlichen Kontext. Vorwissenschaftliche Arbeit BG/BRG Korneuburg 2016

Klangpunkte Herbst 11 klangpunkte_0001.pdf (3.0Mb)

Falter 42/11 – Beilage Wien Modern (von Lothar Knessl) falterknessl.pdf (3.0Mb)

Falter 42/11 – Beilage Wien Modern (von Walter Weidringer) falterweidringer.pdf (4.0Mb)

Katalog Wien Modern 2011: Inspirierender Zeitdruck – Gerald Resch auf dem Weg zur Leichtigkeit (von Lothar Knessl) wienmodernknessl.pdf (5.0Mb)

ÖMZ 05/2011: Zu Ehren aller Musikenthusiasten (von Christian Heindl)

MICA 30.06.2011

Niederösterreichisches Tonkünstler Orchester 2010

Booklet Portrait-CD 2009

Komponisten der Gegenwart KDG, München 2008

Musikverein 2007

Axel Petri: Materiale Analogiebildung zwischen Musik und bildender Kunst 2005

_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Interviews

European Cultural News 9.12.2011

Terz 5.12.2011

Leipzig Almanach 14.11.2011

MICA 09.11.2011

OÖN 03.11.2011

MICA 03.09.2008
_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Texte von Gerald Resch

2018 “Vom Text zur Musik: Kompositorische Transmedialisierungsprozesse anhand meiner Familienoper Gullivers Reise”. In Sabine Coelsch-Foisner und Christopher Herzog (Hg.). Transmedialisierung. Wissenschaft und Kunst 33: Kulturelle Dynamiken / Cultural Dynamics. Heidelberg: Universitätsverlag Winter
2010 “Konsequente Glückssache”, in: ÖMZ 9/2010, S. 6–7
2008 “Pierre Boulez im Spiegel von Jörg Widmann”, in: MozartWocheMagazin Juli 2008, S. 12–14
2007 Artikel “Vlad, Roman”, in: MGG, 2. Auflage
“Zur Gegenwart, vielleicht auch Zukunft österreichischen Musikschaffens”, in: ÖMZ 9/2007
“Wien Modern in der Alten Schmiede” (5 Essays zu 5 Konzerten), in: Almanach Wien Modern, Saarbrücken 2007
“ ‘Südlich von Rom beginnt der Orient, im Norden Roms das Abendland.’ Kulturelle Einflüsse in Giacinto Scelsis späten Orchesterwerken”, in: Kontinent Scelsi, Almanach Salzburger Festspiele 2007
“Bruckners Achte: zukunftsweisend? Ähnlichkeiten zwischen Bruckners symphonischen Charakteristika mit der Musik des 20. Jahrhunderts“, in: Programmheft Salzburger Festspiele 2007
2006 “Adams – Cerha – Reich” (Werkeinführung für ein Orchesterkonzert im Festspielhaus St. Pölten, 7. Oktober 2006)
“Entspannte Gleichzeitigkeit. Parallele Szenen in der aktuellen österreichischen Musik”, in: Der Hammer. Die Zeitung der Alten Schmiede Nr. 15, Oktober 2006 (Nachdruck im Booklet der CD “Entspannte Gleichzeitigkeit. 30 Jahre Musikwerkstatt in der Alten Schmiede” , Hammer Records Nr. 1)
“16 Uraufführungen bei den Salzburger Festspielen”, in: Festspielfreunde Juli 2006
“Singen im Extrem. Wolfgang Rihms Konzert in einem Satz für Violoncello und Orchester”, in: Programmheft Salzburger Festspiele 15. August 2006
“Eins im Anderen. Zu ‘streut licht / an den bebenden rändern’ von Reinhard Fuchs”, in: Programmheft Salzburger Festspiele 19. und 20. August 2006
“Die Arbeit am Klang”, in: Programmheft Salzburger Festspiele 19. August 2006
“’…für Gesang bestimmte Sachen, die einer für die Harmonie auszieht…’: Mozart und die Harmoniemusik”, in: Programmheft Salzburger Festspiele 20. und 22. August 2006
2005 ”Friedrich Cerha Netzwerk-Phantasie”, in: Almanach Wien Modern 2005, Saarbrücken 2005
“Klaus Lang Der schlafende Landmann, der Baum des Lebens und die Schalen der Finsternis”, in: Almanach Wien Modern 2005, Saarbrücken 2005
“Roman Haubenstock-Ramati: Klavierstücke I”, in: Almanach Wien Modern 2005, Saarbrücken 2005
“David Helbich Hallo 1–5”, in: Almanach Wien Modern 2005, Saarbrücken 2005
“Giacinto Scelsi Pwyll & Taiagarù”, in: Almanach Wien Modern 2005, Saarbrücken 2005
“Professor Bad Trip”, in: Almanach Salzburger Passagen 2005 “Altmeister, Zeitgenossen und Newcomer”, in: Festspielfreunde Juli 2005
2004 „Hugo Wolf: Mörike-Lieder“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 13. Dezember 2004
„Richard Strauss: Orchesterlieder“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 28. November 2004
„George Gershwin: Concerto in F für Klavier und Orchester“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 19. November 2004
„Johann Benjamin Groß: Streichquartett f-Moll op. 37“ in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 21. November 2004
„Antonin Dvorak: Dumka op. 35/Tema con variazioni op. /Liebeslieder op./ 9. Streichquartett op. “, in: Programmheft Dvorak à la carte, Wiener Konzerthausgesellschaft Oktober 2004
„Joseph Haydn: Streichquartett op. 77“, in: Programmheft Dvorak à la carte, Wiener Konzerthausgesellschaft Oktober 2004
„Luigi Nono: Con Luigi Dallapiccola“, Programmheft Stadtpark Graz 21. September 2004
„Wir werden ausgelacht.’ Irritierende Momente in Anton Bruckners Scherzo aus dem Streichquintett“, in: ÖMZ 10/2004, S. 9–18
„Der Bauch des Komponisten“ (Nachdruck des Artikels „Vom Wiederbefüllen des Komponistenbauchs“), in: Klangpunkte 18, Frühjahr 2004
„30 Jahre Jeunesse Zell am See – Geschichte, Gegenwart, Zukunft“, Festschrift Jeunesse, Wien 2004
„Peter Ruzicka: Vier Gesänge nach Fragmenten von Nietzsche“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 13. Juni 2004
„Benjamin Britten: Songs and Proverbs of William Blake“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 13. Juni 2004
„ ‚…which was the son of…’: a-capella-Kompositionen von Felix Mendelssohn-Bartholdy bis Arvo Pärt“, in: Programmheft Wiener Konzerthausgesellschaft 12. Juni 2004
„Echos des Unmittelbaren“, Booklet der CD studiopercussion graz, Graz 2004
2003 „Vom Wiederbefüllen des Komponistenbauchs“, auf der Homepage oe1.orf.at (25. November 2003)
„Netzwerk im Kopf“, in: Programmheft des Musikprotokolls im steirischen herbst, Graz 2003 (auszugsweiser Nachdruck)
„Öffnung und Grenzüberschreitung – das Festival Wien Modern 2003“, in: Musikfreunde – Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Oktober/November 2003
Artikel “Kopelent, Marek”, in: MGG, Kassel 2003
Artikel „Peter Ablinger“, in: KdG, München 2003
„Netzwerk im Kopf. Konstanten in der Musik von Michael Jarrell“, in: Almanach Wien Modern 2003, Saarbrücken 2003
“Michael Jarrell: Essaims-cribles” [Werkeinführung], in: Almanach Wien Modern 2003, Saarbrücken 2003 (Nachdruck)
„Musikalische Reisen ins Innerste” [Werkeinführung Claude Vivier: Zipangu und Bouchara], in: Almanach Wien Modern 2003, Saarbrücken 2003
„Klangwege. Wie findet ein Komponist zu seiner Musik?“ in: Österreichische Musikzeitschrift 9/2003
“Michael Jarrell: Essaims-cribles” [Werkeinführung], in: Almanach Salzburger Passagen 2003, Salzburg 2003
“George Lopez: Blue Cliffs” [Werkeinführung], in: Almanach Salzburger Passagen 2003, Salzburg 2003
“Vadim Karassikov: Over the shadow of the candle” [Werkeinführung], in: Almanach Salzburger Passagen 2003, Salzburg 2003
“Bernhard Lang: Differenz/Wiederholung 9” [Werkeinführung], in: Almanach Salzburger Passagen 2003, Salzburg 2003
Artikel “Höller, York”, in: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel 2003
“ton_online: Ein anderes Österreich” [Zeitschrift der IGNM Österreich, herausgegeben von Gerald Resch], Wien 2003: www.ignm.at
” ‘Ich bin erst in Österreich zum Perser geworden’ – Nader Mashayekhi im Gespräch mit Gerald Resch”, in: ton_online, Wien 2003 [Internet-Ausgabe der Zeitschrift ton der IGNM Österreich: www.ignm.at]
Artikel “Nader Mashayekhi”, in: Komponisten der Gegenwart (KdG), München 2003
Artikel „Klaus Lang“, in: Komponisten der Gegenwart (KdG), München 2003
2002 “Das Öffnen von Räumen. ‘L’Icône Paradoxale (Hommage à Piero della Francesca)’ von Gérard Grisey”, in: Almanach Wien Modern 2002, Saarbrücken 2002
“Da, wieder da, außer sich wieder da, tiefer in mir und tiefer: ‘Wo Angst auf Umhülle prallt’ für Stimme und Orchester von Reinhard Fuchs”, in: Almanach Wien Modern 2002, Saarbrücken 2002
“Echos des Unmittelbaren. Schlagzeugkompositionen von Hespos, Sciarrino, Xenakis und Platz”, in: Konzertprogramm Studio Percussion Graz, 24. September 2002, Forum Stadtpark Graz
Artikel „Gentile, Ada“, in: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel 2002
“Kollektive Frischzellenkur” [über Gegenklang.Palimpsest], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Vom Reiz der Möglichkeiten und Begrenzungen” [über Streichquartett-Kompositionen], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Beat Furrer: Voicelessness. The Snow has no Voice” [Werkeinführung], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Johannes Maria Staud: Bewegungen” [Werkeinführung], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Komponisten-Werkzeug” [über neue Klaviermusik], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002]
” ‘Es gibt keine statischen Strukturen’. Beat Furrer im Gespräch mit Gerald Resch”, in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Beat Furrer: Aria” [Werkeinführung], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Karlheinz Essl: A trois – seul” [Werkeinführung], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Beat Furrer: Solo” [Werkeinführung], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Mit ganzem Herzen” [über das Ensemble Recherche], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Klang-Brandung” [über in vain von Georg Friedrich Haas], in: Almanach Austria Today der Salzburger Festspiele, Salzburg 2002
“Austria Today. Neuland entdecken mit Komponisten aus Österreich”, in: Festspieljournal Salzburger Nachrichten, 18.05.2002
“Dramatik und Schwung” [Johannes Brahms: Klavierquintett op. 34], in: Programmheft für das Konzert der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, 24. 04.2002
“Differenzierte Metamorphosen” [György Ligeti: 2. Streichquartett], in: Programmheft für das Konzert der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, 24.04.2002
“Komplimentier-Quartett” [Ludwig van Beethoven, Streichquartett op. 18/2], in: Programmheft für das Konzert der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, 24.04.2002
“Dunkle Musik” [Robert HP Platz: Andere Räume; Hans-Joachim Hespos: Tekum; Wolfgang Rihm: Tutuguri VI], Programmheft für das Schömerhaus Klosterneuburg/Sammlung Essl, 20.04.2002
” ‘Ich habe erst in Österreich entdeckt, ein Perser zu sein.’ Nader Mashayekhi im Gespräch mit Gerald Resch”, in: Fremd/Vertraut. Almanach Hörgänge 2002, Wien 2002
“Musica ricercata”, Programmheft für das Schömerhaus Klosterneuburg/Sammlung Essl, 16.02.2002
2001 “Samtig, knackig, elegisch, schrill. Der Reichtum von Solokompositionen für die Bassklarinette”, Programmheft für das Konzert der JEUNESSE in der Musikschule Dornbirn am 10.12.2001
“Taschenorchester. Bläserquintette von Schönberg, Kühr und Ligeti”, Programmheft für das Adventkonzert des Schömerhauses Klosterneuburg/Sammlung Essl, 08.12.2001
“Im Freien. Naturbilder für Klavier”, Programmheft für das Konzert der JEUNESSE in Zell am See, 03.12.2001
“Die musikalische Selbstentdeckung Amerikas”, Programmheft für das Konzert der JEUNESSE im Stadtsaal Zwettl, 19. 11. 2001
“Musik als unmittelbares Abbild des Lebens”, Programmheft für das Konzert der JEUNESSE im Musikverein Wien, 14. 11. 2001
„Pythagoras und Orpheus. Hidden Voices I & II von Jonathan Harvey“, in: Almanach Wien Modern, Saarbrücken 2001
“Gewunden verflochtene farbige Fäden. Twixt twinged twining threads von Ramón Gonzáles-Arroyo”, in: Almanach Wien Modern, Saarbrücken 2001
„Variation mit Themen. Konrad Rennert im Gespräch über Fraktur XVI“, in: Almanach Wien Modern, Saarbrücken 2001
„Sound and Fury. Notizen zu Philippe Manourys Orchesterstück“, in: Almanach Wien Modern, Saarbrücken 2001
„Zeichen-Setzungen. Michael Jarrells Schlagzeugkonzert“, in: Palimpsest. Almanach Hörgänge 2001, Wien 2001
„Assonanzen. Neue Werke für Flöte und Schlagwerk“, in: Palimpsest. Almanach Hörgänge 2001, Wien 2001
2000 „Ins Innere der Klänge. Zur Musik von Gérard Grisey“, in: Almanach Wien Modern 2000, Saarbrücken 2000
1999 „Konstruktiv-utopisch. Ernst Reitermaier (Institut für transakustische Forschung Wien) im Gespräch mit Gerald Resch“, in: ton 2/99 (trash/recycling), Wien 1999
„Geordnete Deponie. 52 Splitter, durch alphabetischeReihung vergeblich zur Zusammenhanglosigkeit genötigt“, in: ton 2/99 (trash/recycling), Wien 1999
„Die längste Reise ist die zu sich selbst. Claude Viviers Ränder innerer Landschaften“, in: Riten.Mythen. Almanach Wien Modern 1999, Wien 1999
„Claude Vivier: Siddharta“, in: Riten.Mythen. Almanach Wien Modern 1999, Wien 1999
„Claude Vivier: Samarkand“, in: Riten.Mythen. Almanach Wien Modern 1999, Wien 1999
„Claude Vivier: Bouchara“, in: Riten.Mythen. Almanach Wien Modern 1999, Wien 1999
„Natur plus X. Die spektrale Musik des Groupe l’Itinéraire“, in: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) 6/1999, Wien 1999
„In memoriam Gérard Grisey“, in: Odyssee. Almanach Hörgänge 1999, Wien 1999
„Gérard Grisey: Nout für Bassklarinette solo“, in: Odyssee. Almanach Hörgänge 1999, Wien 1999
„Komponieren für die Jugend. Die Komponistengruppe Gegenklang“, in: Saiten-Weise, Wien 1999
1998 „Michael Jarrell: Zeitfragmente“, in: An den Rändern Europas. Almanach Wien Modern 1998, Wien 1998
1997 „Ludwig Nussbichler: Schattenspiele II – Palimpsest“, in: words.voices. Almanach Wien Modern 1997, Wien 1997
„Herbert Lauermann: Kammersymphonie“, in: words.voices. Almanach Wien Modern 1997, Wien 1997

Kritiken

Cantus Firmus

Krone, 04.10.2010 (V.P.)

… Vor der Pause hörte man die Uraufführung von Gerald Reschs “Cantus Firmus”. Souverän nützt er das Riesenorchester und geht mit Traditionsformen (Passacaglia, Sonata usw.) wie mit Mitteln der neuen Musik effektvoll um.

Ein bisschen Anlauf muss die Neuheit nehmen, als wolle sie sich selbst suchen. Schließlich aber entpuppt sich Gerald Reschs “Cantus Firmus – Sinfonie für Orchester und Chor” als vitales Opus der markanten Momente. Als Auftragswerk des Festspielhauses St. Pölten soll der Zwanzigminüter auf Felix Mendelssohn Bartoldys chorlastige zweite Symphonie (Lobgesang) Bezug nehmen.

Der Standard, 04.10.2010 (Ljubisa Tosic)

Natürlich aber will eine Neuheit vor allem für sich selbst stehen, abseits der Beziehungen zur inspirierenden Vorlage. Resch setzt den Chor dann auch ein, jedoch kurz zu Beginn und sanft ganz am Schluss. Dazwischen? Zwei gewaltige Tutti-Ausbrüche und die anfängliche Richtungssuche mit Streicherdominanz, perkussiven Momenten und markantem Bläsereinsatz, bis sich auf freitonaler Grundlage die rhythmische Prägnanz quasi als eine Art Werkrückgrat entpuppt. Zum Schluss hin bestätigt sich dies durch blockartigen, mechanisch anmutenden Streichereinsatz, obwohl hin und wieder auch ganz andere, also verinnerlichte Passagen zum Einsatz kommen.
Resch (Jahrgang 1975) war beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester unter Andres Orozco-Estrada und dem Chorus sine nomine gut aufgehoben …

Wiener Zeitung, 04.10.2010 (Daniel Wagner)

Mendelssohns “Lobgesang” schwang sich unter den präzisen Vorgaben von Dirigent Andrés Orozco-Estrada zu einem Höhepunkt religiöser Romantik auf. Wie stand Gerald Resch zu so viel geistlicher Empathie aus dem 19. Jahrhundert? Immerhin lautete der Auftrag für den jungen Komponisten, zur Saisoneröffnung der Tonkünstler eine Beschäftigung mit Mendelssohns “Lobgesang” erkennen zu lassen. Ein Versuch, der gelang: Reschs “Cantus Firmus”-Symphonie orientierte sich nicht zwingend an der Vorlage, er ging mit eingängigen Eigenthemen und Zitaten ans Werk. Messiaen’sche Klangintensität eröffnete den Corale, persiflierende Sololändler bereicherten die Violinstimmen, heiße Rhythmen machten deutlich: Für dieses Werk brauchte man keine Bedienungsanleitung, nur ein offenes Herz für schöne Überraschungen. Wie bei Mendelssohn.

Der neue Merker, 05.10.2010 (Renate Wagner)

Es war eine spannende Kombination, mit der die Niederösterreichischen Tonkünstler ihre Saison begannen. Als Auftragswerk des Festspielhauses St. Pölten gab es zuerst eine etwa 25minütige symphonische Dichtung des Oberösterreichers Gerald Resch. Der Titel ‚„Cantus Firmus“ Symphonie für Orchester und Chor ad libitum.’ verweist darauf, dass dieser Chor „nach Belieben“ eingesetzt werden kann – und nach der Uraufführung wird es der weiteren Verbreitung des Werkes gut tun, wenn man die Kosten für 40 Sekunden a capella und einer fast unhörbaren gesungnen Schlusssequenz einspart. In Bezug auf den danach folgenden „Lobgesang“ von Mendelssohn, der so gewaltige Wirkung aus dem Chor bezieht, war Reschs Einsatz der Singstimmen allerdings verständlich.
Der 35jährige Linzer, eben erst mit einem Kompositionspreis der Erste Bank ausstaffiert, beeindruckte durch seinen bewussten Umgang mit dem Material großer Vorgänger. Das führt zwangsläufig dazu, im „alten“ Sinn Musik zu machen, im Hinblick auf melodische Phrasen, solistischen Einsatz einzelner Instrumente, von originellen Klangwirkungen (das Schlagzeug ist ausführlich beschäftigt), rhythmische Abwechslung und den legitimen Wunsch, das Orchester kraftvoll, auch laut und ausdrucksvoll „sprechen“ zu lassen. Das ist ein vom Handwerk und der Idee her ansprechendes Werk (falls dies für ein „modernes“ Stück keine negative Aussage ist!), mit dem man ein Publikum nicht in die Flucht schlägt, sondern im besten Sinn fesselt.
Das Tonkünstler Orchester hat sich mit diesen beiden Werken eine große Aufgabe gestellt und sie wirklich und wahrhaftig glanzvoll bewältigt. (...) Könnte es auf diesem Niveau weitergehen, man möchte keines der Tonkünstler-Konzerte versäumen.

Collection Serti

European Cultural News 11.11.11 (Michaela Preiner)

Die „collection Serti“ oder„Erkundungen einer Musiksammlung“, wie die Komposition im Untertitel heißt, ist ein Auftragswerk der Erste-Bank, welches punktgenau für diese Veranstaltung von Gerald Resch komponiert worden war. Es bezog sich thematisch auf die in luftigen Vitrinen ausgestellten Instrumente und war für das Konzerthaus selbst eine ganz besondere Premiere. Denn Resch bezog sich mit diesem Werk auf das große Foyer, in dem es auch aufgeführt wurde. Er komponierte es für jenen Raum, der normalerweise als Durchgangsort wahrgenommen wird, an dem man nur kurz hält um sich zu begrüßen und seine Garderobe dort abzugeben. Genau dort hatte man das Publikum versammelt, das stehend, dicht an dicht, dieser Uraufführung lauschte. Nacheinander stellte sich ein Instrument um das andere mit kleinen Sequenzen solistisch vor. Was bewirkte, dass man die wunderbaren Musikerinnen und Musiker des Klangforum Wien einmal aus der Nähe hören und sehen konnte, aber auch Gelegenheit bekam deren Können in dieser Vorstellungsphase ausgiebig zu bewundern. Bald wurden diese kurzen Sequenzen vom restlichen Ensemble aufgenommen und verdichtet, bis erneute eine Solostimme zu vernehmen war. Jedes Instrument kam dabei zu seinem – ich möchte sagen – „natürlichen“ Recht. Durfte sein ureigenes Klangspektrum voll zum Besten geben und dabei doch Neue klänge produzieren. Reschs Musik gestaltete sich, je länger man lauschte, harmonisch im Sinne von tatsächlich vertrauten Harmonien. Und genau diese Verschränkung zwischen Vertrautem und Neuem spiegelte den eingangs erwähnten Auftrag des Hauses auch sehr schön wieder. Resch erwies mit der Komposition dem Haus seine Reverenz und schrieb ihm örtlich neue Bedeutungen zu. Dass sich unter dem Publikum gleichberechtigt nun auch all jene befanden, die normalerweise außerhalb des Konzertsaales auf das Ende der Vorstellungen warten, also die Platzanweiser und die Damen und Herren bei den Garderoben, war fast äquivalent mit der Aufführungspraxis dieses Stückes zu sehen – das ohne Dirigat auskommt und in welchem sich die Musikerinnen und Musiker ganz auf sich selbst und die Gemeinschaft verlassen müssen bzw. dürfen. Ein Konzert, in dem sich die Unterschiede der Besucher und Dienstleister aufhoben und beide ein wenig in die Rolle der jeweils anderen schlüpfen konnten. Ein Stück, das Grenzen sprengte, ohne gewisse Grenzen jedoch nicht außer Acht zu lassen. Was noch zu sagen wäre: Gerald Resch wäre wohl nicht er selbst, hätte das Stück nicht auch noch mit einer großen Überraschung geendet. Oder haben Sie schon einmal eine Komposition gehört, an dessen Ende die Instrumente gestimmt werden?

Oskar Serti geht ins Konzert. Warum? – Diese „Nachdenklichkeit“ von Patrick Corillon brachte tatsächlich zum Nachdenken. Aber nicht warum Oskar Serti das vermeintlich so gerne tat, sondern vielmehr warum wir es tun. Experiment rundum gelungen!

komplette Kritik

Die Presse 06.11.2011 (Walter Weidringer)

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Werk von Gerald Resch, mit dem der 1975 in Linz geborene, vielseitige Komponist den renommierten Erste-Bank-Kompositionsauftrag 2011 erfüllt hat: „Collection Serti“, das nach einer konzertanten Darbietung beim „musikprotokoll Graz“ nun seine szenische Uraufführung erlebt. Dabei verwendet er Sertis legendäre Instrumentensammlung, die im Foyer zu besichtigen ist. In glaslosen Vitrinen ausgestellt, dürfen die Instrumente nicht herausgenommen, aber von Fachleuten gleichsam besucht und bedient werden. Resch: „14 Musiker steigen nach und nach in die 14 Vitrinen und beginnen ohne Koordination durch einen Dirigenten zu spielen, wobei sich ihre jeweiligen Musiken immer stärker überlappen. Nach und nach verdichtet sich die Musik zu einem kompakten Ensemblestück aus 14 gleichzeitig erklingenden Partien. Dabei organisiert sich das Ensemble gewissermaßen von selbst, die Musiker reagieren auf bestimmte akustische Signale und interagieren – idealerweise auch ohne gegenseitigen Sichtkontakt – rein musikalisch.“

komplette Kritik

Terz (Michael Bertha)

Gerald Reschs Komposition Collection Serti ist durchaus ein gelungenes und hörenswertes Werk, welches in den “zusammen-geführten” Abschnitten einen pulsierend-schwebenden Charakter aufweist, der allerdings rhythmisch determiniert ist, ohne sich gänzlich aus den tonalen Sphären zu entfernen.

komplette Kritik

Terz (Sabine Töfferl)

Gerald Resch hatte den Erste-Bank-Kompositionsauftrag bekommen, sein Werk wurde im Rahmen der Veranstaltung uraufgeführt. Eine gelungene Raum-Klang-Komposition, bei der die MusikerInnen im Haupfoyer des Konzerthauses verteilt waren und so ein sehr beeindruckendes Hörerlebnis boten.

komplette Kritik

Wiener Zeitung (Lena Draic)

Neben der “konventionellen” Bespielung von drei Sälen mit Werken der Neuen Musik erzählen im Haus verteilte Musiker des Klangforums Episoden aus Sertis Leben. Höhepunkt ist die Aufführung von “collection serti” – jenem Stück, mit dem Resch den Erste-Bank-Kompositionsauftrag erfüllte. Das Ensemble bringt darin die im Foyer präsentierte Instrumentensammlung der Kunstfigur Serti zum Klingen. Die Komposition endet mit einem Witz, nämlich so, wie ein Konzert normalerweise beginnt: mit dem Stimmen der Instrumente. Die Form der Darbietung – nämlich als Installation, in der das Publikum sich frei bewegen kann, wobei es von allen Richtungen beschallt wird – trägt erheblich zum Reiz dieser Aufführung bei.

komplette Kritik

MICA 09.11.11 (Heinz Rögl)

…

Als Höhepunkt dann die Uraufführung des langen Abends, zu der sich alle Zuhörenden im Hauptfoyer versammelten. In den räumlich verteilten Vitrinen versammelten sich die Klangforum-Musiker, Peter Böhm oblag die Aussteuerung. Das vom Träger des Erste-Bank-Kompositionspreis 2011 für das Ensemble komponierte Stück erwies sich als faszinierend, spannend und keine Sekunde langweilig. Reschens Kommentar, aufgezeichnet auch vom Kurator des Preises, Lothar Knessl:

„14 Musiker steigen nach und nach in die 14 Vitrinen und beginnen ohne Koordination durch einen Dirigenten zu spielen, wobei sich ihre jeweiligen Musiken immer stärker überlappen. Nach und nach verdichtet sich die Musik zu einem kompakten Ensemblestück aus 14 gleichzeitig erklingenden Partien. Dabei organisiert sich das Ensemble gewissermaßen von selbst, die Musiker reagieren auf bestimmte akustische Signale und interagieren – teilweise auch ohne gegenseitigen Sichtkontakt – rein musikalisch.“

Je nach Standort, man konnte sich ja auch durch den Raum bewegen, verändert sich das wahrgenommene Stück etwas. 

Es wäre nicht Gerald Resch, hätte er nur irgendetwas für jedes Instrument komponiert. Das Ensemble kann selbst mittels Stoppuhren den Zeitablauf koordinieren.
Resch: „Wichtig sind die Trennung nach Instrumentenfamilien, oder Grundkonstellationen, wer der jeweilige Nachbar ist; zum Beispiel spielt neben der Flöte der Kontrabass, neben der Klarinette die Trompete, klanglich ungleiche Paare. Einerseits überspringende Verkettungen, andererseits die jeweils am weitesten entfernten Antipoden.“

Strukturen eines ersten Durchlaufs erscheinen in Varianten mehrfach verändert wieder.

Das Stück birgt also auch Wiedererkennbarkeit. Resch ist überzeugt: „Anschaulichkeit muss ja nicht einschichtig sein. Deshalb habe ich Calvino so gern. Es geht ihm überhaupt nicht um Aktualität, sondern um gute Literatur. Er springt zwischen den Zeiten umher, überzeugt, dass es grundsätzliche Begriffe gibt, die ihre Gültigkeit über die Zeiten hinweg bewahren. Anschaulichkeit ist ein solcher begriff. Ohne diese kippt ein Musikstück leicht in etwas Beliebiges, mitunter Plapperhaftes“. Es war nicht plapperhaft, es war vergnüglich zu hören und kann hoffentlich bald wieder gehört werden.


komplette Kritik

Durchlässige Schichten

Die Presse

“Die vielleicht interessantesten, geschickt plazierten Stücke der Reihe: Durchlässige Schichten … ein farbig pulsierendes, geballtes, beinahe übervolles Konglomerat, das Gerald Resch mit wiederholter, aufgewühlter Schlußgeste enden läßt.”

Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen

European Cultural News 03.11.2011 (Michaela Preiner)

Die Komposition „Ein Garten, Pfade, die sich verzweigen“ des jungen Österreichers Gerald Resch (*1975) bildete den Beginn. Möchte man den Sport als Vergleich bemühen – so ist die Startnummer 1 eine relativ unbeliebte, muss das Publikum sich doch erst einhören, das Ensemble sich erst warmspielen. Nichts desto trotz reüssierte das Ensemble mit der Arbeit des Preisträgers der Erste Bank 2011. Und dennoch war eines am Ende des Stückes klar: Je länger es dauerte umso überzeugender präsentierte sich diese Komposition, die Hauptaugenmerk auf die Stimme der Viola, gespielt von Petra Ackermann, legt, die mit ihrem samtenen und weichen Ton ganz erdverbunden erscheint. So, als spüre man den weichen Garten- oder Parkboden unter seinen Füßen beginnt Resch den Raum musikalisch zu beschreiben. Doch schon nach kurzer Zeit unterbrechen dramatische Ballungen den imaginären Gang durch den Garten, welche die auditiven Spaziergängerinnen und –gänger in Erstaunen versetzen. Gerade gewöhnte man sich an den Rhythmus auf den man sich eingelassen hatte, nahm die restlichen Stimmen des Orchesters als Unterstützung für einen aufrechten Gang war, sodass er mühelos geschehen konnte, hatte sich schon wie selbstverständlich daran gewöhnt. Da kippte die Stimmung plötzlich. Nicht laut, aber dennoch deutlich wurde die Marimba hörbar, die mit dazu beitrug, dass sich nun eine durchscheinende, lucide Bewegung ausbreitete, die tastende Schritte in unbekanntes Terrain erlaubte. War dieser Gang, dieses Tasten, dieses Trippeln nun mit Vorsicht, Rücksicht oder Zögerlichkeit belegt? Das konnte sich jede Hörerin und jeder Hörer selbst aussuchen. Wohl ganz nach dem eigenen Temperament. Aber gerade das ist es, was das Werk auszeichnet: dass es Platz und Raum für ganz persönliche Interpretationen bietet. So wie für die Assoziationen der Rezensentin, die es ihr erlaubten in jenen Teil des Gartens einzutreten, der verwunschen im Verborgenen lag und dessen Reiz aus seiner Unerforschtheit bestand.

komplette Kritik

Terz (Sabine Töfferl)

Das Ensemble PHACE | contemporary music brachte am Dienstag Abend unter dem Dirigenten Simeon Pironkoff einige sehr innovative und unkonventionelle Stücke zur Aufführung.
Begonnen wurde der Abend mit Gerald Reschs Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen, bei dem vor allem im Soloinstrument, der Viola, die Ver(w)irrung strukturell sehr gut auszumachen war.
Die Interpretation selbst war alles andere als verwirrt, sondern im Gegenteil sehr präzise: Als ZuhörerIn konnte man dem Geschehen gut folgen, sich durchaus sicher fühlen und musste sich nicht davor fürchten, womöglich nie ans Ziel zu gelanngen.

komplette Kritik

Oberösterreichische Nachrichten (Michael Wruss)

Das Wiener Ensemble Phace / Contemporary Music unter Simeon Pironkoff gehört zu den herausragendsten seiner Art und agierte auch an diesem Abend überzeugend. Aber nicht jede Musik, die zu hören war, entsprach der Qualität der Aufführung, und das sehr engagierte Konzert ließ als leicht schalen Nachgeschmack die Frage offen, wo denn eigentliche das Neue an der Neuen Musik geblieben sei.
Ausnahmen davon waren zu Beginn Gerald Reschs „Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen“, ein Stück, das zwar am Anfang lange braucht, um klarzumachen, worum es geht, das aber dann an Spannung und Gehalt gewinnt. Besonders eindringlich dabei Petra Ackermann als Solistin auf der Bratsche.

komplette Kritik

ÖMZ 1/2010 (Doris Weberberger)

… Gerald Resch schloss 2000 sein Studium bei Jarrell ab und komponierte dafür “Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen” – eine Arbeit, mit der er in die Zukunft seines künftigen kompositorischen Weges weisen wollte und damit nicht zu viel versprach. Zu diesem Werk inspiriert hatte ihn damals das Umherschweifen in einem alten französischen Garten. Solch außermusikalische Bezugspunkte sind bezeichnend für das Schaffen Reschs, wobei er großen Wert darauf legt, den ZuhörerInnen Anhaltspunkte, jedoch keine bestimmenden Bilder vorzugeben, um so jede/n eigene Assoziationen finden zu lassen. Gewidmet ist das Werk der Bratschistin Petra Ackermann, die es übrigens wegen terminlicher Verhinderung bei Ur- und Folgeaufführungen an diesem Abend tatsächlich erstmalig selbst spielte. Man folgte ihr gerne dabei, wie sie musikalisch auf unterschiedlichen Wegen die gleichen Plätze von verschiedenen Seiten erkundete oder auf noch unbeschrittenen Pfaden unerwartetes Neuland entdeckte. Ein stets aufrecht erhaltener Spannungsbogen und überraschende Wendungen lassen das Werk dabei zu einem spannenden Geflecht werden. Lyrische Teile, in welchen sich die Bratsche nach und nach mit den unterschiedlichen Instrumenten mischt und so differenzierte Klangfarben entstehen lässt, werden von plötzlich aufkommenden rascheren Passagen abgelöst. Doch wie in der Natur geschieht nichts grundlos, jede Bewegung scheint einen Auslöser zu haben, wodurch das Geschehen trotz seiner überraschenden Momente stets einer inneren Logik zu folgen scheint und sich so die unterschiedlichen Teile zu einem vielfältigen und doch gleichzeitig stimmigen Ganzen fügen. Interessant ist dieses Werk nicht nur für sich genommen, sondern auch in Bezug auf jüngere ARbeiten wie “Knoten” oder “Schlieren”, in denen er diesen fruchtbaren Weg in noch prägnanterer Weise fortsetzt.

Kurier

“Dass es um den österreichischen Komponistennachwuchs nicht so schlimm steht, wie manche Programmpunkte vermuten ließen, deutete das sehr gut disponierte Tiroler Ensemble für Neue Musik an. Sie präsentierten gelungene Werke junger Komponisten: Gerald Reschs schlenderndes Stück ‘Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen’ überzeugte.”

Krone

“Gefallen konnte auch ‘Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen’ von Gerald Resch, das … geheimnisvoll verwoben wirkt. Wie ein verwunschenes Musikgärtlein!”

Figuren

www.mica.at (Heinz Rögl)

Mit den 2009 uraufgeführten „Figuren“ beteiligte sich der Linzer Gerald Resch am Wettbewerb „Gradus ad Parnassum“ – er hatte dort den Auftrag zu einer Komposition für Wettbewerbsteilnehmer erhalten. Nun spielte Stefan Neubauer (seit 1993 Mitglied im Ensemble Wiener Collage und auch im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper engagiert). Das Stück ist fein zu hören und folgt einem klaren „Bauplan“: Elementare musikalische Gestalten werden zunächst aufgebaut, werden dann „miteinander kombiniert und schließlich einander angenähert und dadurch neutralisiert“ schreibt Resch. Das geschieht in drei Phasen, „die man als Aufstellung, Kombination und Auflösung bezeichnen kann“. In der „Aufstellung“ werden die vier Grundfiguren mit den Bezeichnungen „Signal“, „Linie“, „Raster“ und „Ebenen“ etabliert. Und so weiter. Es ist am schönsten, einfach zuzuhören … Nach den drei Hauptteilen (in der „Auflösung“ gibt es schon einmal eine ‚falsche Reprise’) hat Resch auch noch eine „Coda“ angefügt, die dann tatsächlich zur signalartigen Anfangsfigur zurückführt.

Grounds

ÖMZ 7/2009

…gelangten Gerald Reschs GROUNDS zur Uraufführung, ein viersätziges Werk, das ganz bewusst auf traditionelles Material, den “In Nomine”-Cantus firmus, setzt, der in ständig veränderter Form präsent ist. Resch spielt Verstecken mit dem Zuhörer und baut im IV. Satz sogar ein Purcell-Zitat ein, das einen reizvollen Kontrast zu seiner bestechend stringenten Tonsprache bildet.

Knoten

Krone 16.11.2007 (Rüdiger Rausch)

… Der Titel des Stückes ist – wie Resch erklärt – zugleich auch Programm des Stücks: Klänge und Melodien des Soloinstruments (ausgezeichnet am Fagott: Robert Buschek) werden aufgefangen, umgewandelt und von Instrument zu Instrument weitergereicht. Auf diese Weise entwickeln sich “Verknotungen” wechselnder Dichte, die unmittelbar nachvollziehbar sind. Dies alles auf der Basis eines sensibel austarierten harmonischen Hintergrunds. Glissando, Spaltklänge, weite Sprünge wechseln einander ab – die klanglichen Möglichkeiten des wandlungsfähigen Instrumentes werden voll ausgeschöpft. Zum Schluss wird mit dicken Pinselstrichen ordentlich über die farbenfrohen Klanglandschaften gewischt, wenn alle Instrumente sukzessive eine Solofigur des Fagotts übernehmen. Viel Applaus für den Komponisten wie den souveränen Robert Buschek.

ÖMZ 1/2008 (Doris Weberberger)

Wie der Titel bereits verrät, weist diese Komposition für Fagott und Kammerorchester einer Verbindung unterschiedlicher Stränge auf: Sowohl tonale als auch atonale Elemente werden verknüpft, ebenfalls wird die Auflösung des 12-Ton-Systems durch Glissandi eingebunden. Zeigt sich in manchen Passagen die Gleichberechtigung von Solist und Orchester, geht das Fagott kurzzeitig im dichteren Klang der orchestralen Masse unter; neben dem solistischen Auftreten finden aber auch Duette, u.a. mit Horn oder Klarinette, ihren Raum. Wechselnde Klangfarben entstehen durch die Übernahme von einzelnen Tönen oder gesamten Motiven des Fagotts durch andere Instrumente, die sich immer weiter verdichten, um dann doch wieder zu reduzierteren Passagen zurück zu finden, bis am Ende ein tonales, absteigendes Motiv des Fagotts, das plötzlich abbricht, fragend im Raum stehen bleibt. Durch die Verknüpfung dieser vielfältigen Komponenten, lässt Resch ein abwechslungsreiches Gebilde entstehen, dessen Abschnitte starke Kontraste aufweisen und dennoch durch erneutes Aufgreifen zuvor erklungener Elemente zueinander in Bezug stehen: besonders fasziniert dabei das Gespür des Komponisten für den Spannungsaufbau. Robert Buschek/Fagott erfüllte die hohen technischen wie musikalischen Anforderungen mit Feingefühl, und auch der Wiener Concert-Verein unter Konstantin Ilievsky setzte das Werk überzeugend um– vor begeistertem Publikum.

Land

OÖN, 15.09.2008 (Bernhard Lichtenberger und Michael Wruss)

… Lichtblick zum rettenden Leuchtturm war allerdings das traditionelle Auftragswerk, das diesmal der junge Linzer Komponist Gerald Resch realisierte. Mutig, aber voller Respekt ging er daran, Symbole zu hinterfragen, indem er das Material für seinen „Variationszyklus“ aus der österreichischen Bundeshymne destillierte.

So blitzten in „Land“ da und dort Floskeln der Mozart’schen Melodie durch, verdichteten sich, fanden in neuer Strukturierung zu neuem Leben und ließen ebenso schemenhaft kritische Stimmen laut werden. Diese traten sich als solistische oder in der Gruppe geführte Instrumente hervor und versuchten, dem Überlieferten neue Facetten abzugewinnen, die in einer übersteigerten Stretta durchaus auch bedrohliche Dimensionen annehmen können.

Mutig war das Unterfangen auch deshalb, weil manche demonstrativ nicht applaudierten, als dürfe man dies mit Staatssymbolen nicht machen. Da mag etwas dran sein, aber wenn es derart meisterhaft und respektvoll geschieht, dann ist es Kunst und braucht nicht um Erlaubnis zu fragen. Das Brucknerorchester unter Ingo Ingensand war engagierter Helfer bei der freien Meinungsäußerung.

Neues Volksblatt, 15.09.2008 (Georgina Szeless)

… Bei den wenigen Musikentrees für das Fest war die Uraufführung der Brucknerhaus-Auftragskomposition „Land“ des 33-jährigen Komponisten Gerald Resch erfreulich. Sein neues Stück bezieht die Grundmelodie von der Österreichischen Bundeshymne und verarbeitet diese erfindungsreich im Klangbereich, ohne die Maßstrenge formaler Zusammenhänge zu vernachlässigen.

OÖ Krone 15.09.2008 (B. Sulzer/C. Tröster)

Das zum Anlass fällige Auftragswerk lieferte der Linzer Komponist Gerald Resch (33): „Land“, ein kurzes, ansprechendes Orchesterstück über eine Tonfolge aus der Bundeshymne. Die ausgewählten Töne sind interessant verflochten, in phantasievolle Klangfarben gekleidet und lassen das Original in Umrissen deutlich vernehmbar durchschimmern.

Kulturbericht OÖ, 10.2008 (Franz Zamazal)

Der für den feierlichen Anlass einer guten Gewohnheit entsprechende Kompositionsauftrag ging an den Linzer Gerald Resch (*1975). Seine Partitur “Land” für großes Orchester basiert auf einer Notenfolge aus der Österreichischen Bundeshymne, die mit großem Können, Klangsinn und Einfühlungsvermögen in 20 Teilen (!) facettenreich verändert wird. Diese Miniaturen ergeben mit changierenden “Farben” bei Soloinstrumenten und Orchester-Gruppen ein oft filigran luftiges Gebilde. Mit großem Einsatz hat das Orchester diese Geistesblitze bis hin zur voll tönenden Coda eingefangen und plausibel vermittelt.

Lettura/rilettura

“Mehr gedanklichen Kontrast und somit kompositorische Substanz bietet lettura/rilettura vom Linzer Gerald Resch.”

Nebeneinanderlinien

Oboe-Fagott Nr. 80 (Dr. Dietrich Hilkenbach)

Das Individuelle zweier sonst gleicher Instrumente – nicht nur der Spieler derselben – war das Faszinosum für den Komponisten. Avantgarde pur! Aber gedacht für junge Spieler, mithin von nur mäßigem Schwierigkeitsgrad. Das erste Stück, “Band”, besteht aus langen Haltetönen, senza misura, oft unisono, aber zeitlich versetzt und im Verlaufe ihres Erklingens diskret modifiziert durch Lippen- und auch Fingerglissandi, Crescendi und Decrescendi, Änderung ihrer Klangstruktur durch Flatterzunge und Klangfarbentriller. – Stück Nr. 2 trägt den beziehungsreichen Titel “Ohne Rohr” und besteht aus Figurationen wie Skalen und Einzelklängen aus Klappengeräuschen und Blasen mit und ohne Flatterzunge, Quasi-pizzicato-Effekten u.a.m. – Stück Nr. 3 trägt den Namen “Feld” und besteht aus einer langen Reihe von Mehrklängen, die ihre Qualität durch Crescendi/Decrescendi dauernd ändern; erfreulicherweise sind die erforderlichen Griffe präzise angegeben. – Stück Nr. 4 endlich, “Treppen”, wird auch wieder mit Rohr gespielt: kurze Auf- und Abwärts-Skalen, vielfach alternierend, sollen quasi pizzicato gespielt werden: das soll mit der Artikulation “hut” erreicht werden.

Journal Wiener Oboe Dezember 2005 (Josef Bednarik)

In “Treppen” (Nebeneinanderlinien, 4. Stück) von Gerald Resch, das trotz seiner Kürze erstaunlich effektiv wirkt, herrscht der sogenannte “hut”-Effekt vor, ähnlich dem pizzicato bei Streichern.

Passagen

ÖMZ

“Passagen von Gerald Resch – ein kompositorisches Spiel zwischen Komplexität und scheinbarer Einfachheit, Mehrklang und Linearität, Bewegung und Statik, ohne Virtuosität je zum Selbstzwecke werden zu lassen. Die Komposition besticht durch Klarheit und Transparenz und birgt interessante Klangspektren kombiniert mit höchster spieltechnischer Optimierung.”

Vorarlberger Nachrichten

“Im Mittelpunkt jedoch standen die souveränen Spielarten des Fagottisten… Robert Buschek interpretierte mit einer bewundernswerten Spieltechnik das organisch konzipierte Stück für Fagott Passagen von Gerald Resch.”

Neue Vorarlberger Tageszeitung

“Beim ersten und letzten Stück dieses Programms musste sicher so mancher Zuhörer an Luciano Berio denken. Das Stück für Fagott (Passagen) des Wieners Gerald Resch erinnerte an die ‘Sequenza’ des großen Italieners, ist freilich ruhiger in seinem Gestus. Robert Buschek, für den es komponiert wurde, konnte damit nicht nur durch die Klangschönheit punkten.”

Oboe-Fagott Nr. 80 (Dr. Dietrich Hilkenbach)

Die Eingangstakte, 3/4 und 2/4, zielen prologartig mit kurzen “Seht her”-Figurationen auf ein ab Takt 13 loslaufendes polyrhythmisches Geschehen, das alles enthält, was an Neuem dem Instrument abverlangt wird: Mikrointervalle, variierende Klangfarben, Mehrklänge, Zwerchfellakzente; Glissandi; rasend schnelle, komplizierte, atemlose Läufe; dabei auch die offenbar in der zeitgenössischen Musik so beliebten sehr schnellen Figuren mit riesigen Intervallsprüngen. Klappengeräusche, tonloses Blasen, Pizzicato-Effekte kommen ebenfalls vor. Die Dynamik wir gnadenlos bis zu den Extremen ausgereizt. Das Stück endet in der Höhe zart verklingend. Es kostet viel Mühe, dieses Stück zu erarbeiten, wenn auch auf den ersten Seiten ausführliche Spielanweisungen gegeben werden für Mehrklänge, Scherenglissandi und Trillerglissandi. Daher wird es wohl nur hochkarätigen Spielern vorbehalten bleiben.

Das Orchester (Alfred Rinderspacher) 01.02.2006

Die Musikhistorie zeigt, wie fruchtbar eine Zusammenarbeit zwischen Interpreten und Komponisten sein kann. So auch im Falle der “Passagen” für Fagott solo von Gerald Resch. (…) Nach der Analyse des Notentextes und nach dem Hören eines Livemitschnitts ergibt sich ein interessantes und kontrastreiches Bild dieser Komposition, die an Berios “Sequenza”, Yuns “Monolog” und an die “Three Pieces” von Heinz Holliger erinnert, mit instrumentalen, bläserischen und technischen Ansprüchen auf einem hohen und sehr anspruchsvollen Niveau. (…) Nach einem ruhigen, stimmungsvoll-verhaltenen Beginn mit nahezu schmerzhaftem Ausdruck – erzeugt auch mit Hilfe von Schleiftönen, Trillerketten und charakteristischen Mehrklängen – wechseln sich ausdrucksvolle, langsame Teile mit hoch virtuosen, perlenden Figurationen ab, bis hin zu einer aufgeregten, aggressiven Spielweise. Hieraus entstehen kontrastreiche und interessante Klangpaletten, wobei das gesamte Register des Instruments mit all seinen klanglichen Möglichkeiten ausgenutzt wird. (…) Dieses Solostück stellt mit Sicherheit eine Bereicherung der zeitgenössischen Fagottliteratur dar und ist auf Grund seiner kompositorischen Qualität durchaus Isang Yuns “Monolog” gleichzusetzen. Es lohnt sich, dieses Stück zu studieren und aufzuführen.

Schlieren

Krone 27.11.2005 (Dr. Karlheinz Roschitz)

“Schlieren” nennt der 30-jährige Komponist Gerald Resch sein Violinkonzert, in dem Patricia Kopatchinskaja ihr Geigerinnen-Temperament, ihre Bravour, Intensität und Musikalität einsetzen kann. Reschs dreiteiliges, in Unterabschnitten reich differenziertes 20-Minuten-Werk, eine Auftragsarbeit von Wien Modern, bietet dem Solisten fulminante Möglichkeiten: an kraftvollen Ausbrüchen, verspielter Eleganz, fließenden Farben. Schlieren sind dabei die Klanggebilde, die abseits des musikalischen Hauptstranges nebenher schlingern, sich zu Knäuel ballen oder auch zerfasern. Doch vor allem klingt dieses Stück hinreißend: hochkonzentriert und zugleich luftig-durchsichtig, funkelnd und frisch, poetisch und elegant. Das RSO unter Kalitzke war der fabelhaften jungen Geigerin ein lockerer Partner, der sich in keinem Moment vordrängte. Jubel!

ÖMZ 1/2006 (Heinz Rögl)

Gerald Reschs Violinkonzert (“Schlieren”) stand auf dem Programm. Eher bestrebt, Formen transparent zu machen als zu verschleiern, stellt das gut gebaute, leicht fassliche und mitunter geradezu “swingende” Stück nicht zuletzt auch eine Hommage an die Solistin Patricia Kopatchinskaja dar, die es temperamentvoll interpretierte.

Kurier 21.06.2009 (PJ)

Die Ausnahmegeigerin Patricia Kopatchinskaja spielt sehr spannende und technisch anspruchsvolle Violinkonzerte von Gerd Kühr, Gerald Resch und Otto Zykan, die eigens für sie komponiert wurden. Toll die gestalterische Kraft und Virtuosität.

NZfM 3/2009 (Dirk Wieschollek)

…Wesentlich dramatischere Töne schlägt nach fragilem Beginn Gerald Resch (geb. 1975) in seinen SCHLIEREN für Violine und Orchester (2005) an. Permanente Unruhe und überdrehte Virtuosität kennzeichnen den Solopart, der von einem hochexpressiven Orchester flankiert wird. Ein vielschichtiges Stück mit vielen flüchtigen Reminiszenzen (Resch ist auch Musikwissenschaftler), dessen Verläufe kaum berechenbar sind und immer eine Portion Abgründigkeit in sich tragen, vor allem in der grotesk eingefärbten lyrischen Episode…

Spin

Die Presse 13.03.2007 (Gerhard Kramer)

…Gerald Resch, dessen “Spin” für Kammerorchester zu interessieren vermochte; ein Stück, dessen vielfältige Erscheinungsformen einer spürbar straffen Konstruktion gehorchen.

Kleine Zeitung 13.03.2007 (Helmut Christian)

Das recht konstruiert klingende Stück “Spin” des jungen Wiener Komponisten Gerald Resch erlebte seine Kärntner Erstaufführung: Es sind anfänglich nur zwei Töne, eine Sekunde, denen Resch einen ordentlichen Drall gibt, dann raffiniert auffächert und variiert.

ÖMZ 5/2007 (Gerhard Kramer)

Der junge österreichische Komponist Gerald Resch (…) ist mit Kompositionen aufgefallen, die sich, oftmals von bildlichen Vorstellungen inspiriert, durch konsequente strukturelle Stringenz auszeichnen. (…) So auch sein Kammerorchesterwerk Spin (2006/07), das jetzt im Brahmssaal durch den Wiener Concert-Verein unter der soliden Leitung von Ernest Hoetzl zur erfolgreichen Uraufführung kam. Hier hatte Resch nach eigener Aussage “die Vorstellung eines klar definierten Klangzustandes, der einen Drall (engl.: Spin) hat, wodurch er sich zu einem anderen Klangzustand hin weiterbewegt …” Zu hören ist solcherart in einem tonalitätsfreien Umfeld eine Fülle abwechslungsreicher, oftmals überraschender Erscheinungsformen, die gerade durch die ihnen zugrundeliegende Logik überzeugt.

Splitter

Salzkammergut Rundschau

“Gerald Resch erklärte in seiner Einleitung zu Splitter seine vielschichtigen Inspirationsquellen aus den Texten von Waltraud Seidlhofer. Trotz der exakten Analyse der Gedichte nach Lautmalerei und Zeilenlängen ist die Musik hoch emotional – die verschiedenen Gedanken fügen sich wie Edelsteinsplitter in leuchtenden Farben zu einem schillernden Klangmosaik.

Krone

“Gerald Reschs hochsensible Splitter für Sopran und Klarinette nach einem Text von Waltraud Seidlhofer beeindruckten nachhaltig.”

Kulturbericht OÖ 5/2006 (Natalia Segen)

… Sopran und Flöte in einer sehr feinsinnigen Differenzierung zur vorgegebenen Sprache, wie sie von Waltraud Seidlhofer erarbeitet wird. Das Geometrische des Schreibens der Autorin findet in der Musik eine sinnliche Vernetzung im vorgestellten Stück. Sicherlich ein gangbarer Weg in der aktuellen Entwicklung.

Tessuto

ÖMZ

“Aus einer anderen Welt: die österreichischen Kompositionen. Punktuell strukturiert und rhythmisch determinierter, straffer, strenger. Gerald Resch reizt mit seinem höchst virtuosen Stück tessuto die Klangeffekte der Viola bis zum Letzten aus.