Collection Serti

für räumlich verteiltes Ensemble

1.1.1.1.sax. – 1.1.1.0.- perc, acc. – 1.0.1.1.1.

2011

Erste-Bank-Kompositionspreis 2011 für das Klangforum Wien

14 Min.

Doblinger

Uraufführung

07.10.2011
Graz, Helmut-List-Halle
Musikprotokoll im steirischen herbst
Klangforum Wien

Weitere Aufführungen

05.11.2011
Wien, Konzerthaus
Klangforum Wien

06.11.2011
Wien, Konzerthaus
Klangforum Wien

27.11.2011
Luxembourg, Philharmonie
Klangforum Wien

28.12.2012
Köln, Philharmonie
Klangforum Wien

Einführungstext

Collection Serti ist Teil eines abendfüllenden Dramatischen Konzerts für großes Ensemble und Konzerthauspersonal, das das Klangforum Wien in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Patrick Corillon und Netzzeit Produktion im Auftrag von Wien Modern und der Wiener Konzerthausgesellschaft entwickelt hat.

Der Abend, der etwa fünf Stunden dauert, thematisiert in mehreren Konzerten und Installationen die Leidenschaft des (fiktiven) ungarischen Schriftstellers Oskar Serti, Konzerte mit zeitgenössischer Musik zu besuchen.

Unter anderem hätte Oskar Serti Musikinstrumente, die bei der Uraufführung wichtiger Werke der zeitgenössischen Musik mitgewirkt haben, gesammelt und in 14 glaslosen Vitrinen ausgestellt. Die Musikinstrumente dürfen die Vitrinen nicht verlassen, aber von Zeit zu Zeit dürfen junge Musiker in diese Vitrinen steigen, um die Musikinstrumente zu spielen. Diese Vitrinen werden jeweils in den Foyers der Konzerthäuser, in denen das Dramatische Konzert aufgeführt wird, aufgestellt sein.

Mein 14-minütiges Stück Collection Serti geht von dieser Konstellation aus: 14 Musiker steigen nach und nach in die 14 Vitrinen und beginnen ohne Koordination durch einen Dirigenten zu spielen, wobei sich ihre jeweiligen Musiken immer stärker überlappen. Nach und nach verdichtet sich die Musik zu einem kompakten Ensemblestück aus 14 gleichzeitig erklingenden Partien. Dabei organisiert sich das Ensemble gewissermaßen von selbst, die Musiker reagieren auf bestimmte akustische Signale und interagieren – idealerweise auch ohne gegenseitigen Sichtkontakt – rein musikalisch.

(Gerald Resch)

Bericht 3Sat 11.11.11

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Kritiken

European Cultural News 11.11.11 (Michaela Preiner)

Die „collection Serti“ oder„Erkundungen einer Musiksammlung“, wie die Komposition im Untertitel heißt, ist ein Auftragswerk der Erste-Bank, welches punktgenau für diese Veranstaltung von Gerald Resch komponiert worden war. Es bezog sich thematisch auf die in luftigen Vitrinen ausgestellten Instrumente und war für das Konzerthaus selbst eine ganz besondere Premiere. Denn Resch bezog sich mit diesem Werk auf das große Foyer, in dem es auch aufgeführt wurde. Er komponierte es für jenen Raum, der normalerweise als Durchgangsort wahrgenommen wird, an dem man nur kurz hält um sich zu begrüßen und seine Garderobe dort abzugeben. Genau dort hatte man das Publikum versammelt, das stehend, dicht an dicht, dieser Uraufführung lauschte. Nacheinander stellte sich ein Instrument um das andere mit kleinen Sequenzen solistisch vor. Was bewirkte, dass man die wunderbaren Musikerinnen und Musiker des Klangforum Wien einmal aus der Nähe hören und sehen konnte, aber auch Gelegenheit bekam deren Können in dieser Vorstellungsphase ausgiebig zu bewundern. Bald wurden diese kurzen Sequenzen vom restlichen Ensemble aufgenommen und verdichtet, bis erneute eine Solostimme zu vernehmen war. Jedes Instrument kam dabei zu seinem – ich möchte sagen – „natürlichen“ Recht. Durfte sein ureigenes Klangspektrum voll zum Besten geben und dabei doch Neue klänge produzieren. Reschs Musik gestaltete sich, je länger man lauschte, harmonisch im Sinne von tatsächlich vertrauten Harmonien. Und genau diese Verschränkung zwischen Vertrautem und Neuem spiegelte den eingangs erwähnten Auftrag des Hauses auch sehr schön wieder. Resch erwies mit der Komposition dem Haus seine Reverenz und schrieb ihm örtlich neue Bedeutungen zu. Dass sich unter dem Publikum gleichberechtigt nun auch all jene befanden, die normalerweise außerhalb des Konzertsaales auf das Ende der Vorstellungen warten, also die Platzanweiser und die Damen und Herren bei den Garderoben, war fast äquivalent mit der Aufführungspraxis dieses Stückes zu sehen – das ohne Dirigat auskommt und in welchem sich die Musikerinnen und Musiker ganz auf sich selbst und die Gemeinschaft verlassen müssen bzw. dürfen. Ein Konzert, in dem sich die Unterschiede der Besucher und Dienstleister aufhoben und beide ein wenig in die Rolle der jeweils anderen schlüpfen konnten. Ein Stück, das Grenzen sprengte, ohne gewisse Grenzen jedoch nicht außer Acht zu lassen. Was noch zu sagen wäre: Gerald Resch wäre wohl nicht er selbst, hätte das Stück nicht auch noch mit einer großen Überraschung geendet. Oder haben Sie schon einmal eine Komposition gehört, an dessen Ende die Instrumente gestimmt werden?

Oskar Serti geht ins Konzert. Warum? – Diese „Nachdenklichkeit“ von Patrick Corillon brachte tatsächlich zum Nachdenken. Aber nicht warum Oskar Serti das vermeintlich so gerne tat, sondern vielmehr warum wir es tun. Experiment rundum gelungen!

komplette Kritik

Die Presse (Walter Weidringer)

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Werk von Gerald Resch, mit dem der 1975 in Linz geborene, vielseitige Komponist den renommierten Erste-Bank-Kompositionsauftrag 2011 erfüllt hat: „Collection Serti“, das nach einer konzertanten Darbietung beim „musikprotokoll Graz“ nun seine szenische Uraufführung erlebt. Dabei verwendet er Sertis legendäre Instrumentensammlung, die im Foyer zu besichtigen ist. In glaslosen Vitrinen ausgestellt, dürfen die Instrumente nicht herausgenommen, aber von Fachleuten gleichsam besucht und bedient werden. Resch: „14 Musiker steigen nach und nach in die 14 Vitrinen und beginnen ohne Koordination durch einen Dirigenten zu spielen, wobei sich ihre jeweiligen Musiken immer stärker überlappen. Nach und nach verdichtet sich die Musik zu einem kompakten Ensemblestück aus 14 gleichzeitig erklingenden Partien. Dabei organisiert sich das Ensemble gewissermaßen von selbst, die Musiker reagieren auf bestimmte akustische Signale und interagieren – idealerweise auch ohne gegenseitigen Sichtkontakt – rein musikalisch.“

komplette Kritik

Terz (Michael Bertha)

Gerald Reschs Komposition Collection Serti ist durchaus ein gelungenes und hörenswertes Werk, welches in den “zusammen-geführten” Abschnitten einen pulsierend-schwebenden Charakter aufweist, der allerdings rhythmisch determiniert ist, ohne sich gänzlich aus den tonalen Sphären zu entfernen.

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Terz (Sabine Töfferl)

Gerald Resch hatte den Erste-Bank-Kompositionsauftrag bekommen, sein Werk wurde im Rahmen der Veranstaltung uraufgeführt. Eine gelungene Raum-Klang-Komposition, bei der die MusikerInnen im Haupfoyer des Konzerthauses verteilt waren und so ein sehr beeindruckendes Hörerlebnis boten.

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Wiener Zeitung (Lena Draic)

Neben der “konventionellen” Bespielung von drei Sälen mit Werken der Neuen Musik erzählen im Haus verteilte Musiker des Klangforums Episoden aus Sertis Leben. Höhepunkt ist die Aufführung von “collection serti” – jenem Stück, mit dem Resch den Erste-Bank-Kompositionsauftrag erfüllte. Das Ensemble bringt darin die im Foyer präsentierte Instrumentensammlung der Kunstfigur Serti zum Klingen. Die Komposition endet mit einem Witz, nämlich so, wie ein Konzert normalerweise beginnt: mit dem Stimmen der Instrumente. Die Form der Darbietung – nämlich als Installation, in der das Publikum sich frei bewegen kann, wobei es von allen Richtungen beschallt wird – trägt erheblich zum Reiz dieser Aufführung bei.

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MICA 09.11.11 (Heinz Rögl)

…

Als Höhepunkt dann die Uraufführung des langen Abends, zu der sich alle Zuhörenden im Hauptfoyer versammelten.  In den räumlich verteilten Vitrinen versammelten sich die Klangforum-Musiker, Peter Böhm oblag die Aussteuerung. Das vom Träger des Erste-Bank-Kompositionspreis 2011 für das Ensemble komponierte Stück erwies sich als faszinierend, spannend und keine Sekunde langweilig. Reschens Kommentar, aufgezeichnet auch vom Kurator des Preises, Lothar Knessl:

„14 Musiker steigen nach und nach in die 14 Vitrinen und beginnen ohne Koordination durch einen Dirigenten zu spielen, wobei sich ihre jeweiligen Musiken immer stärker überlappen. Nach und nach verdichtet sich die Musik zu einem kompakten Ensemblestück aus 14 gleichzeitig erklingenden Partien. Dabei organisiert sich das Ensemble gewissermaßen von selbst, die Musiker reagieren auf bestimmte akustische Signale und interagieren – teilweise auch ohne gegenseitigen Sichtkontakt – rein musikalisch.“

Je nach Standort, man konnte sich ja auch durch den Raum bewegen, verändert sich das wahrgenommene Stück etwas. 

Es wäre nicht Gerald Resch, hätte er nur irgendetwas für jedes Instrument komponiert. Das Ensemble kann selbst mittels Stoppuhren den Zeitablauf koordinieren.
Resch: „Wichtig sind die Trennung nach Instrumentenfamilien, oder Grundkonstellationen, wer der jeweilige Nachbar ist;  zum Beispiel spielt neben der Flöte der Kontrabass, neben der Klarinette die Trompete, klanglich ungleiche Paare. Einerseits überspringende Verkettungen, andererseits die jeweils am weitesten entfernten Antipoden.“

Strukturen eines ersten Durchlaufs erscheinen in Varianten mehrfach verändert wieder.

Das Stück birgt also auch Wiedererkennbarkeit. Resch ist überzeugt: „Anschaulichkeit muss ja nicht einschichtig sein. Deshalb habe ich Calvino so gern. Es geht ihm überhaupt nicht um Aktualität, sondern um gute Literatur. Er springt zwischen den Zeiten umher, überzeugt, dass es grundsätzliche Begriffe gibt, die ihre Gültigkeit über die Zeiten hinweg bewahren. Anschaulichkeit ist ein solcher begriff. Ohne diese kippt ein Musikstück leicht in etwas Beliebiges, mitunter Plapperhaftes“. Es war nicht plapperhaft, es war vergnüglich zu hören und kann hoffentlich bald wieder gehört werden.


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Aufnahme

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