Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen

für Bratsche und Ensemble

Solo-Bratsche – 1.0.1.sax.0. – 0.0.0.0. – arpa, perc, pf – 0.0.0.0.1

2000

Dauer 13 Min

Musikverlag Doblinger, Leihmaterial

Uraufführung

19.05.2000
Wien, Universität für Musik und Darstellende Kunst
Gerswind Olthoff, Bratsche
Ensemble der Musikuniversität Wien
Marino Formenti, Dirigent

weitere Aufführungen

14.09.2000
Graz, Musikuniversität
Impuls-Ensemble
Johannes Kalitzke, Dirigent

16.03.2002
Wien, Konzerthaus
Festival Hörgänge
Tiroler Ensemble für Neue Musik

09.11.2009
Wien, 3raum anatomietheater
Lauschergreifend! live
Petra Ackermann, Bratsche
Ensemble xxj. Jahrhundert
Peter Burwik, Dirigent

04.04.2011
Wien, Musikverein
Gertrude Rossbacher, Bratsche
Ensemble Kontrapunkte
Peter Keuschnig, Dirigent

02.11.2011
Wien, Konzerthaus
Wien Modern
Ensemble Phace
Simeon Pironkoff, Dirigent

04.11.2011
Linz, Brucknerhaus
Ensemble Phace
Simeon Pironkoff, Dirigent

Einführungstext

Das ziellose Flanieren ist eine der schönsten Leidenschaften: loszugehen ohne zu wissen, wohin man gelangen wird, ist aber gleichzeitig auch eine permanente Herausforderung, da sich die Richtung jederzeit ändern kann. Die Möglichkeit des Sich-Verlaufens gehört ebensosehr zum Flanieren wie die Möglichkeit, unverhofft an Stellen zu stoßen, die man bereits kennt oder kennen müsste, aber wieder vergessen hat oder gar nicht kennen kann, aber zu kennen glaubt usw. Innerhalb eines abgegrenzten Gartens zu flanieren und sich intuitiv für den einen oder anderen Weg zu entscheiden wird dazu führen, dass man immer wieder an den Zaun des Gartens, seine Abgrenzung zur Außenwelt, stoßen wird. Innerhalb der Umzäunung aber ist man in gewisser Weise sicher, die einzelnen Stationen eines Gartens (der Teich, die große Eiche, der Verlauf des Baches) sind durch künstlich angelegte Pfade verbunden. Für gewöhnlich ist es in Gärten untersagt, diese Wege zu verlassen, wie wenn wenige Schritte abseits die Wildnis beginnen würde. In meinem Stück habe ich versucht, mich vom ziellosen Umherschweifen in einem Garten anregen zu lassen, um eine Musik zu schreiben, die immer weitergeht (auch wenn sie mehrmals an den Zaun stößt). Jede der Stationen in meinem Stück wird einige Male passiert, allerdings jedesmal wie von einer anderen Seite her kommend. Drei Vorstellungen haben die Komposition des Stückes besonders geprägt: Die vielfältigen Verzweigungen der Wege, die genützten und ungenützten Möglichkeiten, die Richtung zu wechseln sowie die Idee einer stilisierten Natur, wie sie sich in einem planvoll angelegten Garten verwirklicht. (Gerald Resch)

Kritiken

Kurier

“Dass es um den österreichischen Komponistennachwuchs nicht so schlimm steht, wie manche Programmpunkte vermuten ließen, deutete das sehr gut disponierte Tiroler Ensemble für Neue Musik an. Sie präsentierten gelungene Werke junger Komponisten: Gerald Reschs schlenderndes Stück ‘Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen’ überzeugte.”

Krone

“Gefallen konnte auch ‘Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen’ von Gerald Resch, das … geheimnisvoll verwoben wirkt. Wie ein verwunschenes Musikgärtlein!”

ÖMZ 1/2010 (Doris Weberberger)

… Gerald Resch schloss 2000 sein Studium bei Jarrell ab und komponierte dafür “Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen” – eine Arbeit, mit der er in die Zukunft seines künftigen kompositorischen Weges weisen wollte und damit nicht zu viel versprach. Zu diesem Werk inspiriert hatte ihn damals das Umherschweifen in einem alten französischen Garten. Solch außermusikalische Bezugspunkte sind bezeichnend für das Schaffen Reschs, wobei er großen Wert darauf legt, den ZuhörerInnen Anhaltspunkte, jedoch keine bestimmenden Bilder vorzugeben, um so jede/n eigene Assoziationen finden zu lassen. Gewidmet ist das Werk der Bratschistin Petra Ackermann, die es übrigens wegen terminlicher Verhinderung bei Ur- und Folgeaufführungen an diesem Abend tatsächlich erstmalig selbst spielte. Man folgte ihr gerne dabei, wie sie musikalisch auf unterschiedlichen Wegen die gleichen Plätze von verschiedenen Seiten erkundete oder auf noch unbeschrittenen Pfaden unerwartetes Neuland entdeckte. Ein stets aufrecht erhaltener Spannungsbogen und überraschende Wendungen lassen das Werk dabei zu einem spannenden Geflecht werden. Lyrische Teile, in welchen sich die Bratsche nach und nach mit den unterschiedlichen Instrumenten mischt und so differenzierte Klangfarben entstehen lässt, werden von plötzlich aufkommenden rascheren Passagen abgelöst. Doch wie in der Natur geschieht nichts grundlos, jede Bewegung scheint einen Auslöser zu haben, wodurch das Geschehen trotz seiner überraschenden Momente stets einer inneren Logik zu folgen scheint und sich so die unterschiedlichen Teile zu einem vielfältigen und doch gleichzeitig stimmigen Ganzen fügen. Interessant ist dieses Werk nicht nur für sich genommen, sondern auch in Bezug auf jüngere ARbeiten wie “Knoten” oder “Schlieren”, in denen er diesen fruchtbaren Weg in noch prägnanterer Weise fortsetzt.

European Cultural News (Michaela Preiner)

Die Komposition „Ein Garten, Pfade, die sich verzweigen“ des jungen Österreichers Gerald Resch (*1975) bildete den Beginn. Möchte man den Sport als Vergleich bemühen – so ist die Startnummer 1 eine relativ unbeliebte, muss das Publikum sich doch erst einhören, das Ensemble sich erst warmspielen. Nichts desto trotz reüssierte das Ensemble mit der Arbeit des Preisträgers der Erste Bank 2011. Und dennoch war eines am Ende des Stückes klar: Je länger es dauerte umso überzeugender präsentierte sich diese Komposition, die Hauptaugenmerk auf die Stimme der Viola, gespielt von Petra Ackermann, legt, die mit ihrem samtenen und weichen Ton ganz erdverbunden erscheint. So, als spüre man den weichen Garten- oder Parkboden unter seinen Füßen beginnt Resch den Raum musikalisch zu beschreiben. Doch schon nach kurzer Zeit unterbrechen dramatische Ballungen den imaginären Gang durch den Garten, welche die auditiven Spaziergängerinnen und –gänger in Erstaunen versetzen. Gerade gewöhnte man sich an den Rhythmus auf den man sich eingelassen hatte, nahm die restlichen Stimmen des Orchesters als Unterstützung für einen aufrechten Gang war, sodass er mühelos geschehen konnte, hatte sich schon wie selbstverständlich daran gewöhnt. Da kippte die Stimmung plötzlich. Nicht laut, aber dennoch deutlich wurde die Marimba hörbar, die mit dazu beitrug, dass sich nun eine durchscheinende, lucide Bewegung ausbreitete, die tastende Schritte in unbekanntes Terrain erlaubte. War dieser Gang, dieses Tasten, dieses Trippeln nun mit Vorsicht, Rücksicht oder Zögerlichkeit belegt? Das konnte sich jede Hörerin und jeder Hörer selbst aussuchen. Wohl ganz nach dem eigenen Temperament. Aber gerade das ist es, was das Werk auszeichnet: dass es Platz und Raum für ganz persönliche Interpretationen bietet. So wie für die Assoziationen der Rezensentin, die es ihr erlaubten in jenen Teil des Gartens einzutreten, der verwunschen im Verborgenen lag und dessen Reiz aus seiner Unerforschtheit bestand.

komplette Kritik

Terz (Sabine Töfferl)

Das Ensemble PHACE | contemporary music brachte am Dienstag Abend unter dem Dirigenten Simeon Pironkoff einige sehr innovative und unkonventionelle Stücke zur Aufführung.
Begonnen wurde der Abend mit Gerald Reschs Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen, bei dem vor allem im Soloinstrument, der Viola, die Ver(w)irrung strukturell sehr gut auszumachen war.
Die Interpretation selbst war alles andere als verwirrt, sondern im Gegenteil sehr präzise: Als ZuhörerIn konnte man dem Geschehen gut folgen, sich durchaus sicher fühlen und musste sich nicht davor fürchten, womöglich nie ans Ziel zu gelanngen.

komplette Kritik

Oberösterreichische Nachrichten (Michael Wruss)

Das Wiener Ensemble Phace / Contemporary Music unter Simeon Pironkoff gehört zu den herausragendsten seiner Art und agierte auch an diesem Abend überzeugend. Aber nicht jede Musik, die zu hören war, entsprach der Qualität der Aufführung, und das sehr engagierte Konzert ließ als leicht schalen Nachgeschmack die Frage offen, wo denn eigentliche das Neue an der Neuen Musik geblieben sei.
Ausnahmen davon waren zu Beginn Gerald Reschs „Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen“, ein Stück, das zwar am Anfang lange braucht, um klarzumachen, worum es geht, das aber dann an Spannung und Gehalt gewinnt. Besonders eindringlich dabei Petra Ackermann als Solistin auf der Bratsche.

komplette Kritik

Ein Garten. Pfade, die sich verzweigen – Beginn Anhören