Nebeneinanderlinien

für zwei Fagotte

2004

komponiert im Auftrag von “Neue Musik für Fagottisten”
mit Unterstützung der Stadt Linz und des SKE-Fonds

Dauer 8 Min.

Musikverlag Doblinger

Satzbezeichnungen:
1. Band
2. Ohne Rohr
3. Feld
4. Treppen

Uraufführung

17.06.2004
Wien, Universität für Musik und Darstellende Kunst
Bettina Schlichther & Marlene Pichler, Fagotte

weitere Aufführungen

23.08.2005
Izola, Slowenien
Oboe-Fagott-Festival
Clemens Böhm & Robert Buschek, Fagotte

14.06.2007
Wien, Universität für Musik und Darstellende Kunst
Marlene Pichler & Bettina Schlichther, Fagotte

04.10.2007
Wien, Universität für Musik und Darstellende Kunst
Bettina Schlichther & Marlene Pichler, Fagotte

28.01.2011
Wien, Universität für Musik und Darstellende Kunst

Einführungstext

Der Titel „Nebeneinanderlinien“ bezieht sich auf einen Zyklus der österreichischen Malerin Maria Lassnig. Parallel laufende Pinselstrich-Bündel verändern während ihres Verlaufs über den weißen Bilduntergrund ihre Farbe und Intensität. Dabei folgen sie zwar prinzipiell einer einheitlichen Gestik, aber gerade die Abweichungen – das Absetzen des Pinsels, das zarte Verrinnen der Farben, die zufälligen Berührungspunkte – machen die „Nebeneinanderlinien“ lebendig. In meiner Komposition für zwei Fagotte wollte ich ähnliches versuchen. Beide Instrumente folgen einer einheitlichen Gestik, sprechen dieselbe Sprache, verwenden dasselbe musikalische Material. Aber es sind die kleinen Abweichungen – etwa dass sogar derselbe Ton auf zwei Fagotten leicht anders klingt –, die mich interessiert haben. Jedes der vier Stücke versucht, mit einem sehr klar definierten motivischen Repertoire ein Liniengeflecht über die „Zeitleinwand“ zu verteilen. Dabei wollte ich ungewohnte Spieltechniken (glissandi, Spiel ohne Rohr, Multiphonics, quasi-pizzicato-Artikulation usw.) nicht als Selbstzweck, sondern als eigenständige musikalisch-gestische Qualität verwenden. Nebeneinanderlinien entstanden auf Anregung von Barbara Loewe und ihrem Projekt „Neue Musik für junge Fagottisten“. Die vier Stücke sind gleichzeitig Studien über spieltechnische und musikalische Besonderheiten des Fagotts, die in meiner Komposition „Passagen“ für Fagott solo wesentlich sind und dort umfangreicher behandelt werden.  
(Gerald Resch)

Kritiken

Oboe-Fagott Nr. 80 (Dr. Dietrich Hilkenbach)

Das Individuelle zweier sonst gleicher Instrumente – nicht nur der Spieler derselben – war das Faszinosum für den Komponisten. Avantgarde pur! Aber gedacht für junge Spieler, mithin von nur mäßigem Schwierigkeitsgrad. Das erste Stück, “Band”, besteht aus langen Haltetönen, senza misura, oft unisono, aber zeitlich versetzt und im Verlaufe ihres Erklingens diskret modifiziert durch Lippen- und auch Fingerglissandi, Crescendi und Decrescendi, Änderung ihrer Klangstruktur durch Flatterzunge und Klangfarbentriller. – Stück Nr. 2 trägt den beziehungsreichen Titel “Ohne Rohr” und besteht aus Figurationen wie Skalen und Einzelklängen aus Klappengeräuschen und Blasen mit und ohne Flatterzunge, Quasi-pizzicato-Effekten u.a.m. – Stück Nr. 3 trägt den Namen “Feld” und besteht aus einer langen Reihe von Mehrklängen, die ihre Qualität durch Crescendi/Decrescendi dauernd ändern; erfreulicherweise sind die erforderlichen Griffe präzise angegeben. – Stück Nr. 4 endlich, “Treppen”, wird auch wieder mit Rohr gespielt: kurze Auf- und Abwärts-Skalen, vielfach alternierend, sollen quasi pizzicato gespielt werden: das soll mit der Artikulation “hut” erreicht werden.

Journal Wiener Oboe Dezember 2005 (Josef Bednarik)

In “Treppen” (Nebeneinanderlinien, 4. Stück) von Gerald Resch, das trotz seiner Kürze erstaunlich effektiv wirkt, herrscht der sogenannte “hut”-Effekt vor, ähnlich dem pizzicato bei Streichern.

Aufnahme

ORF-CD 3029, Edition Zeitton (Portrait-CD Gerald Resch)