Phantasie über Dreiklänge

für Klavier

1998, Revision 2000

Dauer: 6 Min.

Musikverlag Doblinger

Uraufführung

19.11.1998
Wien, Alte Schmiede
Marcel Reuter, Klavier

weitere Aufführungen

19.05.1999
Wien, Musikuniversität
Marcel Reuter, Klavier

24.03.2000
Wien, Art Cult Center
Uraufführung der revidierten Fassung
Marcel Reuter, Klavier

30.06.2000
Bratislava, Palais Mirbach
Magdalena Dianovska, Klavier

12.05.2001
Wien, Gesellschaft für Musiktheater
Holger Busch, Klavier

24.04.2003
Weimar
Weimarer Frühjahrstage für Neue Musik
Blaszej Dowlasz, Klavier

03.05.2003
Bad Berka
Blaszej Dowlasz, Klavier

24.10.2003
Weimar, Musikhochschule
Thorsten Kuhn, Klavier

05.11.2003
Wien, Doblinger-Verlagshaus
Marcel Reuter, Klavier

02.04.2004
Wien, Polycollege
Judit Varga, Klavier

13.07.2006
Stift Lilienfeld
Lilienfelder Sommerakademie

20.09.2007
London, Austrian Cultural Forum
Carol Morgan, Klavier

08.03.2010
Wien, Naturhistorisches Museum
Charlotte Baumgartner, Klavier

11.03.2010
London, Austrian Cultural Forum
Catalina Butcaru, Klavier

Einführungstext

Im Begriff der Phantasie – mit ph geschrieben- klingt für mich viel „19. Jahrhundert“ mit, viel Subjektivität und die „Willkür des Dichters, die kein Gesetz über sich leide“ (F. Schlegel). Diese Absolutsetzung der Individualität ist vielen heutigen Komponisten – ich glaube zurecht – ein bißchen unheimlich. Deswegen erschien mir die Gefahr groß, dass beim Phantasieren, also dem durchaus auch unentschiedenen Umherschweifenlassen der musikalischen Ideen, eine Komposition in Zusammenhangslosigkeit zerbröselt. Da ich aber sicher war, die musikalischen Ideen sozusagen erst beim Gehen entwickeln zu wollen und ich mir auch erlauben wollte, mich zu verlaufen, schien es mir nötig, um aus den Sackgassen, in die ich laufen wollte, auch wieder herauskommen zu können, ein regelrechtes Gegenteil zu dieser völlig frei umherschweifenden Art der Fortbewegung zu erfinden, eine Art exakter Geographie. So habe ich sämtliche 220 Dreiklänge, die sich innerhalb einer Oktave bilden lassen, in eine unsystematische Reihenfolge gebracht. Mit dieser Folie einer zwar willkürlichen, aber dennoch strikten Abfolge von Dreiklängen habe ich dann beginnen können, frei zu musizieren. (Gerald Resch)

Kritik (Piano Wereld Nr. 5 / 2010, Maarten Boonstra)

Der Titel der Komposition ist zusammenzufassen im Sinnspruch ‘Freiheit in der Gebundenheit’. Die Freiheit ist die ungezügelt Phantasie, das Komponieren ohne vorgefasste musikalische Idee, improviserend Herausfinden wo man hingelangt, mit dem Risiko dass man sich verirrt. Die Gebundenheit kommt zum Ausdruck im Baumaterial: Gerald Resch konstruierte alle 220 Dreiklänge innerhalb der Oktave und stellte sie in eine willkürliche (nicht systematisch) Folge. Das ist der einzige Halt um immer wieder seinen Weg zurückfinden zu können.
Das Ergebnis ist eine faszinierende Suche, alles ist ja möglich. Die Töne der Dreiklänge liegen bald nahe aneinander, bald weit entfernt. Taktelang bleibt die Musik dreistimmig, um sich dann plötzlich zu verdichten durch Häufung von verschiedenen Dreiklängen. Die meisten Dreiklänge sind ungebräuchlich (wirken atonal), aber manchmal erscheint auf einmal ein Dur-Dreiklang als eine Art Anknüpfungspunkt.
Nach 43 Takten scheint es, als ob die Komposition verstummt: in den Takten 44 bis einschließlich 51 befinden wir uns auf einer Insel (in der Partitur auch wirklich so genannt). Während einer Minute schauen und lauschen wir herum, um nachher auf einmal die Richtung zu spüren wo wir weiter können. Nachdem wir dem unbeständigen Pfad ganz gefolgt sind, löst der Klang sich auf vom Dreiklang über eine Terz in einen einzelnen verklingenden Ton. Eine Art von Erwachen, sich nicht an den Weg erinnern können und sich verwundert fragen, wie man hier letztendlich doch angelangt ist.

(Übersetzung aus dem Niederländischen: Jan Prakken)