Schleifen

für Sopran und fünf Instrumente

Sopran, fl, tbn, vl, vc, pf

nach einem Text von Heiner Müller

2004

Dauer 14 Min.

Musikverlag Doblinger

Uraufführung

24.06.2004
Wien, Stadtinitiative
Judith Lehner, Sopran
Ensemble Reconsil
Roland Freisitzer, Dirigent

weitere Aufführungen

20.12.2005
Wien, Arnold-Schönberg-Center
Ensemble Wiener Collage
(nur 3. Satz)

02.03.2006
Linz, ORF-Landesstudio
Ensemble Spektren

29.06.2006
Varna/Bulgarien
International Summer Music Festival 2006

21.11.2006
Linz, Landesmuseum
Nikolay Yorbanov, Flöte
Maria Boneva, Violine
Kamelia Kirilova, Violoncello
Ivo Bonev, Klavier
(nur 5. Satz)

04.05.2009
Wien, Musikverein
Christine Whittlesey, Sopran
Ensemble Kontrapunkte
Peter Keuschnig, Dirigent

Heiner Müller Der Glücklose Engel (1958)

“DER GLÜCKLOSE ENGEL. Hinter ihm schwemmt Vergangenheit an, schüttet Geröll auf Flügel und Schultern, mit Lärm wie von begrabenen Trommeln, während vor ihm sich die Zukunft staut, seine Augen eindrückt, die Augäpfel sprengt wie ein Stern, das Wort umdreht zum tönenden Knebel, ihn würgt mit seinem Atem. Eine Zeit lang sieht man noch sein Flügelschlagen, hört in das Rauschen die Steinschläge vor über hinter ihm niedergehn, lauter je heftiger die vergebliche Bewegung, vereinzelt, wenn sie langsamer wird. Dann schließt sich über ihm der Augenblick: auf dem schnell verschütteten Stehplatz kommt der glücklose Engel zur Ruhe, wartend auf Geschichte in der Versteinerung von Flug Blick Atem. Bis das erneute Rauschen mächtiger Flügelschläge sich in Wellen durch den Stein fortpflanzt und seinen Flug anzeigt.”

Einführungstext

An dem Text “Der Glücklose Engel” von Heiner Müller hat mich der vorwärtstreibende Rhythmus und die Unmittelbarkeit der plastischen Sprache besonders fasziniert. Ich wollte diese musikalischen Qualitäten des Textes zum Ausgangspunkt für meine Komposition wählen.
Wie eine Schleife ist der Text in sich geschlossen, indem er an einem ähnlichen Punkt endet, an dem er begann. Daher sind die vielfältigen Möglichkeiten der musikalischen Ausgestaltung von Schleifen ein weiteres wesentliches Merkmal der Komposition. (Gerald Resch)