Schlieren

für Violine und Orchester

2005

Dauer 18 Min.

Musikverlag Doblinger, Leihmaterial

Satzbezeichnungen:
1. fließend
2. pochend
3. verspielt

Uraufführung

25.11.2005
Wien, Konzerthaus
Festival Wien Modern
Patricia Kopatchinskaja, Violine
RSO Wien
Johannes Kalitzke, Dirigent

weitere Aufführungen

20.11.2011
Wien, Konzerthaus
Festival Wien Modern
Benjamin Schmid, Violine
RSO Wien
James Mc Millan, Dirigent

Kritiken

Krone 27.11.2005 (Dr. Karlheinz Roschitz)

“Schlieren” nennt der 30-jährige Komponist Gerald Resch sein Violinkonzert, in dem Patricia Kopatchinskaja ihr Geigerinnen-Temperament, ihre Bravour, Intensität und Musikalität einsetzen kann. Reschs dreiteiliges, in Unterabschnitten reich differenziertes 20-Minuten-Werk, eine Auftragsarbeit von Wien Modern, bietet dem Solisten fulminante Möglichkeiten: an kraftvollen Ausbrüchen, verspielter Eleganz, fließenden Farben. Schlieren sind dabei die Klanggebilde, die abseits des musikalischen Hauptstranges nebenher schlingern, sich zu Knäuel ballen oder auch zerfasern. Doch vor allem klingt dieses Stück hinreißend: hochkonzentriert und zugleich luftig-durchsichtig, funkelnd und frisch, poetisch und elegant. Das RSO unter Kalitzke war der fabelhaften jungen Geigerin ein lockerer Partner, der sich in keinem Moment vordrängte. Jubel!

ÖMZ 1/2006 (Heinz Rögl)

Gerald Reschs Violinkonzert (“Schlieren”) stand auf dem Programm. Eher bestrebt, Formen transparent zu machen als zu verschleiern, stellt das gut gebaute, leicht fassliche und mitunter geradezu “swingende” Stück nicht zuletzt auch eine Hommage an die Solistin Patricia Kopatchinskaja dar, die es temperamentvoll interpretierte.

Kurier 21.06.2009 (PJ)

Die Ausnahmegeigerin Patricia Kopatchinskaja spielt sehr spannende und technisch anspruchsvolle Violinkonzerte von Gerd Kühr, Gerald Resch und Otto Zykan, die eigens für sie komponiert wurden. Toll die gestalterische Kraft und Virtuosität.

NZfM 3/2009 (Dirk Wieschollek)

…Wesentlich dramatischere Töne schlägt nach fragilem Beginn Gerald Resch (geb. 1975) in seinen SCHLIEREN für Violine und Orchester (2005) an. Permanente Unruhe und überdrehte Virtuosität kennzeichnen den Solopart, der von einem hochexpressiven Orchester flankiert wird. Ein vielschichtiges Stück mit vielen flüchtigen Reminiszenzen (Resch ist auch Musikwissenschaftler), dessen Verläufe kaum berechenbar sind und immer eine Portion Abgründigkeit in sich tragen, vor allem in der grotesk eingefärbten lyrischen Episode…

European Cultural News 20.11.2011 (Michaela Preiner)

…“Schlieren für Violine und Orchester“ von Gerald Resch, war das darauffolgende Stück betitelt, das nicht nur vom Publikum, sondern vor allem vom Solisten eine große Portion Aufmerksamkeit erforderte. Benjamin Schmid an der Violine zeigte mit unglaublicher Gelassenheit, dass man auch schwierige Passagen so spielen kann, als würden sie wie selbstverständlich über die Violinseiten wachsen. Wie symphonische Miniaturen hintereinander gereiht, setzt Resch diese wie auf eine Perlenschnur und übertitelt sie mit fließend, pochend und verspielt. Ganz wunderbar, wie er zu Beginn aus einem fast flirrenden Schwebezustand des gesamten Klangapparates die Geige sich langsam in den Vordergrund schieben lässt, bis sie solistisch stehen bleibt. Die verhaltene Spannung, die sich daraufhin bildete, ähnelte sehr jenem Zustand, mit dem zuvor Birtwistle schon beeindruckte – unter anderem jedoch mit dem Unterschied, dass Schmid mit einem Solo am Ende des 2. Satzes brillieren durfte, das zusätzlich durch Paukenschläge rhythmisiert worden war. Fast übergangslos ließ Resch die Musik in einen Tanzrhythmus gleiten, um schließlich eine kleine jazzige Geläufigkeitsübung im Soloinstrument anzuschließen. Bald schon stellte sich aber heraus, dass diese Sequenz nur die Aufwärmphase für die schwierige, abschließende Solopassage darstellte. Reschs Werk charakterisiert sich durch den Einsatz hoher musikalischer Intelligenz, die jedoch – wie bei ihm so oft – mit einer kompositorischen Augenzwinkerei versehen wird. Gerade diese Kombination macht die Arbeiten des jungen Komponisten so spannend, so sympathisch und herzerfrischend zugleich. Seine Musik ist eben nicht nur für den Kopf gemacht, aber weit davon entfernt, aus dem Bauch geboren worden zu sein.