Spin

für Kammerorchester

1.1.2.1. – 2.1.0.0. – 6.5.4.3.2

2006–07

komponiert im Auftrag des Wiener Concertvereins

Dauer: ca. 11 Min.

Musikverlag Doblinger, Leihmaterial

Uraufführung

10.03.2007
Wien, Musikverein
Wiener Concertverein, Ernest Hoetzl

Weitere Aufführungen

12.03.2007
Klagenfurt, Konzerthaus
Wiener Concertverein, Ernest Hoetzl

22.09.2015
Linz, Brucknerhaus
Bach-Collegium Linz, Ingo Ingensand

Einführungstext

Bei Spin hatte ich die Vorstellung eines klar definierten Klangzustandes, der einen Drall (englisch: Spin) hat, wodurch er sich zu einem anderen Klangzustand hin weiterbewegt. Ich habe versucht, mit möglichst wenig Ideen zu arbeiten. Spin verwendet nur vier solcher Klangzustände (in der Partitur als “Linien”, “Pulse”, “Fächer” und “Ebenen” bezeichnet), zwischen denen die Musik gewissermaßen interpoliert. Das heißt, in den Teil “Linien 1” dringen immer mehr pulsartige Elemente ein, bis sie so sehr überwiegen, dass der Klangzustand nunmehr als “Pulse 1” bezeichen wird usw. Nach zwölf Stationen ist man wieder beim Anfangszustand angelangt – im Großen stellt Spin also eine verwundene Drehung um sich selbst dar. Während der Arbeit an dem Stück kam meine Tochter Carla zur Welt. Ihr ist Spin gewidmet.

(Gerald Resch)

Kritiken

Die Presse, 13.03.2007 (Gerhard Kramer)

…Gerald Resch, dessen “Spin” für Kammerorchester zu interessieren vermochte; ein Stück, dessen vielfältige Erscheinungsformen einer spürbar straffen Konstruktion gehorchen.

Kleine Zeitung, 13.03.2007 (Helmut Christian)

Das recht konstruiert klingende Stück “Spin” des jungen Wiener Komponisten Gerald Resch erlebte seine Kärntner Erstaufführung: Es sind anfänglich nur zwei Töne, eine Sekunde, denen Resch einen ordentlichen Drall gibt, dann raffiniert auffächert und variiert.

ÖMZ 5/2007 (Gerhard Kramer)

Der junge österreichische Komponist Gerald Resch (…) ist mit Kompositionen aufgefallen, die sich, oftmals von bildlichen Vorstellungen inspiriert, durch konsequente strukturelle Stringenz auszeichnen. (…) So auch sein Kammerorchesterwerk Spin (2006/07), das jetzt im Brahmssaal durch den Wiener Concert-Verein unter der soliden Leitung von Ernest Hoetzl zur erfolgreichen Uraufführung kam. Hier hatte Resch nach eigener Aussage “die Vorstellung eines klar definierten Klangzustandes, der einen Drall (engl.: Spin) hat, wodurch er sich zu einem anderen Klangzustand hin weiterbewegt …” Zu hören ist solcherart in einem tonalitätsfreien Umfeld eine Fülle abwechslungsreicher, oftmals überraschender Erscheinungsformen, die gerade durch die ihnen zugrundeliegende Logik überzeugt.

OÖN 24.09.2015 (Michael Wruss)

Nicht alle Dienstagabend im Brucknerhaus aktiven Komponisten würde man als jung bezeichnen, allerdings ist die Musik lebender Komponisten im Vergleich zum Standardrepertoire erst den Kindertagen entwachsen. Diese präsentierten aber keinen unfertigen jungen Wein, sondern reife, technisch perfekt komponierte Klangdelikatessen, die vom Oktavian Ensemble und vom Österreichischen Bach Collegium mit Leidenschaft kredenzt wurden. (...)
Ob Gerald Reschs seiner damals frisch geborenen Tochter gewidmete Stück “Spin” als Wiegenlied taugt, ist zu bezweifeln. Seine Klangsprache ist die avantgardistische, kann aber die Tradition, in der sie steht, nicht leugnen. Nur spielt sie nicht offen damit, sondern abstrahiert sie und lässt nur hin und wieder den großen romantischen Bogen eruptiv hervorbrechen.
Vier beeindruckende Stücke, vier überzeugende Interpretationen und ein hochzufriedenes Publikum. Was will man mehr?

Neues Volksblatt 24.09.2015 (grub)

So klingen unsere „Zeitgenossen“: Im Rahmen des Brucknerfestes konnte man am Dienstagabend im Brucknerhaus einen Einblick in das neueste oberösterreichische Musikschaffen bekommen.
(...)
Den Abschluss bildete eine Aufführung des jüngsten Komponisten des Abends: Gerald Resch (*1975), dessen „Spin“ das Bach-Collegium als eine Art „Klangzustand“ verwirklichte. Ein Werk, das einem eingebildetem oder wirklichen „Drall“ folgt. Viel Applaus im halbvollen Saal.

Aufnahme

ORF-CD 3029, Edition Zeitton (Portrait-CD Gerald Resch)

Anhören

Wiener Concertverein
Ernest Hoetzl, Dirigent
Aufnahme Wien Musikverein 2007