Tientos

für Bassklarinette, Marimba und Klavier

1999

Dauer 6 Min.

Edition 21 ed21 GR 009

Uraufführung

12.10.1999
Wien, Rathausplatz
Jeunesse Colourscape-Skulptur

weitere Aufführungen

31.03.2000
Wien, Konzerthaus
Petra Stump, Bassklarinette
Berndt Thurner, Marimba
Jean-Pierre Collot, Klavier

19.12.2002
Luxemburg, Cercle municipal
United Instruments of Lucilin

04.12.2016
Linz, Bruckneruniversität
Julia Lenzbauer, Bassklarinette
Rie, Marimba
Mariia Ledenyova, Klavier

11.05.2017
Linz, Bruckneruniversität
Julia Lenzbauer, Bassklarinette
Rie, Marimba
Mariia Ledenyova, Klavier

Einführungstext

Als tientos (dt. Befühlen, Behutsamkeit) wurden im Spanien des 16. Jahrhunderts Kompositionen bezeichnet, die dazu dienten, ein Instrument einzuspielen und die Balance der Stimmung zu überprüfen. Aus diesem Grund enthalten tientos arpeggierte Akkorde, in deren Verklingen die Klangcharakteristik des gespielten Instruments besonders deutlich wird. Ich mag den besonderen Moment, in dem ein Musiker sein Instrument zum ersten Mal anspielt, bevor er “richtig” zu musizieren beginnt, um es – und sich selbst – vorzubereiten und einzustimmen. Meist unbemerkt liegt in einem solchen konzentrierten Augenblick eine eigentümliche Behutsamkeit und fast schüchterne Distanz zum Instrument, die erst durch das Weiterspielen überwunden wird. Wenn sich eine Komposition radikal aus nichts anderem als diesem ersten Moment sowohl vorsichtigen als auch entschlossenen Berührens entwickeln würde? Vielleicht könnte man so, wenn die Schritte nur klein genug wären, ganz aus sich selbst heraus zu gehen beginnen. Lediglich aufwärts arpeggierte Akkorde. Ich wollte mich selbst in die Enge treiben und anspornen, in der scheinbaren Kargheit dieses musikalischen Steinbruchs nach einer anderen, wahrscheinlich intimeren Art von Vielfalt zu suchen. Unter der Lupe betrachtet, zeigen sich die reichhaltigsten Dinge.
(Gerald Resch)