Zerrissene Zeit / Verschattung

für Streichquartett

1995–1998

Dauer 13 Min.

1. Zerrissene Zeit
2. Verschattung
3. Rondeaux
4. Spolien
5. simultan den gesetzen gebräuchlich
(nach einem mehrstimmigen Gedicht von Christine Huber)

Uraufführung

27.06.1998
Wien, Alte Burse
Florian Wilscher & Sunney Shin, Violine
Kerstin Czygan, Bratsche
Romed Wieser, Cello

Einführungstext

Man ist nicht einer, sondern viele: in einer Welt, in der virtuell jede Information zugänglich und abrufbar ist und man in Sekundenschnelle von jedem beliebigen Punkt des Netzes zu jedem noch so disparaten anderen gleitet, wird die Einheit der Persönlichkeit abgelöst durch eine neuartige Form einer gleichsam unbekümmerten Schizophrenie. Aufgrund dieser zeitgemäßen Lebenspraxis ist es mir schwer vorstellbar, wie ein in sich geschlossenes Werk (ohne Links ins umgebende Netz) anders denn als bloße Inszenierung zu verwirklichen sein könnte. Zerrissene Zeit/Verschattung versucht in der Aufeinanderfolge von fünf voneinander unabhängigen kompositorischen Standpunkten einerseits Geschlossenheiten zu inszenieren, andererseits aber offene Stellen (Links) in den Verlauf zu reißen oder reißen zu lassen, entlang derer Persönlichkeit – in meinem Verständnis – erst glaubwürdig wird. (Gerald Resch)