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Land

für Orchester

Einführungstext

Die ersten drei Phrasen der österreichischen Hymne „Land der Berge“ wurden in Bezug auf die Tonhöhen und Rhythmen gerade sosehr verändert, dass sie noch als Bruchstück der Hymne erkennbar bleiben, dabei aber neue melodische und harmonische Möglichkeiten erhalten, die meiner Musiksprache entgegenkommen. Ein solches Verfremdungsverfahren birgt die Gefahr in sich, dass das, was verfremdet wurde, nicht mehr erkennbar ist. Daher war es mir wichtig, eine melodische Vorlage zu finden, die jedem Hörer des Konzerts so gut bekannt ist, dass man trotz der Verfremdungen gewissermaßen unbewusst merkt, mit dieser Musik vertraut zu sein. Die österreichische Bundeshymne schien mir dafür besonders geeignet zu sein, zumal sie im Rahmen dieses Festkonzerts zur Eröffnung des Brucknerfests zu Gehör kommen wird. Die 28-tönige aus der Bundeshymne abgeleitete Melodie ist die Urlinie, die „Land“ zugrunde liegt und in insgesamt 20 Teilen (zwischen 10 und 50 Sekunden Dauer) variiert wird. Manchmal vollständig (z.B. in Teil 4), meist aber fragmentiert. Einige Teile verwenden die Urlinie anders rhythmisiert (z.B. der zweistimmige Teil 15 für die Kontrabässe). In der schnellen Stretta (Teil 19) wird die Urlinie in rastloser Bewegung immer höher getrieben, bis sich in der kurzen Coda (Teil 20) klirrend im ganzen Orchester ertönt. Die Instrumentenangaben der jeweiligen Teile sollen eine Hörhilfe dafür sein, welche Instrumentengruppe vornehmlich Ausschnitte aus der Urlinie präsentieren.

1 Crotales – 2 Tomtoms – 3 Violinen – 4 Oboen, Hörner – 5 Flöten, Oboen, Violinen – 6 Pauken, Woodblocks – 7 Hörner – 8 hohe Holzbläser – 9 Klarinetten, Woodblocks – 10 Oboen, Klarinetten, Vibraphon – 11 Streicher – 12 Blech, Streicher – 13 Hörner, Becken – 14 Tuba – 15 Kontrabässe – 16 1. Choral – 17. 2. Choral – 18 Höhepunkt – 19 Stretta – 20 Coda

Kritik

Michael Wruss in OÖN, 15. 9. 2008


… Lichtblick zum rettenden Leuchtturm war allerdings das traditionelle Auftragswerk, das diesmal der junge Linzer Komponist Gerald Resch realisierte. Mutig, aber voller Respekt ging er daran, Symbole zu hinterfragen, indem er das Material für seinen „Variationszyklus“ aus der österreichischen Bundeshymne destillierte.
So blitzten in Land da und dort Floskeln der Mozart’schen Melodie durch, verdichteten sich, fanden in neuer Strukturierung zu neuem Leben und ließen ebenso schemenhaft kritische Stimmen laut werden. Diese traten sich als solistische oder in der Gruppe geführte Instrumente hervor und versuchten, dem Überlieferten neue Facetten abzugewinnen, die in einer übersteigerten Stretta durchaus auch bedrohliche Dimensionen annehmen können.
Mutig war das Unterfangen auch deshalb, weil manche demonstrativ nicht applaudierten, als dürfe man dies mit Staatssymbolen nicht machen. Da mag etwas dran sein, aber wenn es derart meisterhaft und respektvoll geschieht, dann ist es Kunst und braucht nicht um Erlaubnis zu fragen. Das Brucknerorchester unter Ingo Ingensand war engagierter Helfer bei der freien Meinungsäußerung.

Alle Aufführungen von Land

  • 03.11.2014 Radio Ö1
  • 26.10.2014 Konzerthaus Wien, Wiener Symphoniker, Jakub Hrusa (Dir.)
  • 25.10.2014 Konzerthaus Wien, Wiener Symphoniker, Jakub Hrusa (Dir.)
  • 14.09.2008 Brucknerhaus Linz, Brucknerorchester Linz, Ingo Ingensand (Dir)